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Merken   Drucken   21.11.2005, 17:34 Schriftgröße: AAA

Fleischskandal weitet sich aus

Der neueste Fleischskandal hat größere Ausmaße als zunächst angenommen: Die Staatsanwaltschaft Essen beschlagnahmte inzwischen rund 130 Tonnen überlagertes Roastbeef und Geflügelfleisch eines Großhändlers aus Gelsenkirchen.
Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg   Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg

Nachdem in Gelsenkrichen 60 Tonnen Fleisch in einem Kühlhaus des Handelsunternehmens Domenz beschlagnahmt worden seien, hätten Kontrolleure weitere 60 Tonnen in Räumen der Firma in Melle bei Osnabrück und nochmals elf Tonnen in Hamburg sichergestellt, sagte der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) am Montag in Düsseldorf. Er warf der Lebensmittelüberwachung des Landes vor, sie arbeite zu langsam, zu uneffektiv und nach veralteten Methoden. Künftig müsse auf Zwischenfälle "schneller und frühzeitiger" reagiert werden.

Untersuchungsergebnisse lägen noch nicht vor. Es gebe zudem Hinweise, dass Domenz-Ware im Laufe des Jahres von mehreren Unternehmen in Deutschland bezogen worden sei. Die Behörden in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg seien Ende vergangener Woche darüber informiert worden. Das Bundesverbraucherministerium hatte am Montag auf die Verantwortlichkeit der Bundesländer im neuen Fleischskandal verwiesen. "Das ist Ländersache", sagte eine Sprecherin in Berlin.

Altes Fleisch neu verpackt

Wie Uhlenberg erläuterte, waren Fleischbeschauern Ende Oktober bei einer Routine-Kontrolle in einem Kühlhaus der Gelsenkirchener Firma Frigoropa verdächtige Umverpackungen aufgefallen. Dabei wurden drei Tonnen Roastbeef mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum sichergestellt, die Frigoropa nach Darstellung des Ministers für das Gelsenkirchener Handelsunternehmen Domenz umverpacken sollte.

Das Haltbarkeitsdatum des am Freitag beschlagnahmten Fleischs in Gelsenkirchen war den Ermittlern zufolge abgelaufen. Die Ware war aber mit neuen Etiketten versehen worden. Die Essener Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Erste Hinweise auf verdorbenes Fleisch in der Firma hatten Kontrolleure Ende Oktober erhalten, wie Uhlenberg sagte. Damals seien drei Tonnen Rindfleisch beschlagnahmt worden, das ungenießbar gewesen sei. Das Fleisch riecht und schmeckt nach Angaben der Stadt Gelsenkirchen zwar schlecht, stellt aber keine Gefahr für die Gesundheit dar.

Fleischskandal weitet sich aus   Fleischskandal weitet sich aus

Zehn Tonnen Fleisch für Bratwürstchen Untersuchungen der Warenströme ergaben nach Angaben Uhlenbergs, dass die Firma Domenz bis zum Oktober insgesamt 6,5 Tonnen überwiegend Putenfleisch an einen Döner-Hersteller im brandenburgischen Mittenwalde lieferte und 2,7 Tonnen Hamburger an eine Firma in Rathenow. Daneben habe ein Verarbeiter in Gelsenkrichen mehrere Tonnen erhalten. In diesem Zusammenhang seien von 2,5 noch 1,7 Tonnen sichergestellt worden. Weitere zehn Tonnen seien an einen Metzger geliefert worden, der daraus Bratwürstchen hergestellt habe, sagte Uhlenberg. Davon hätten nur 5600 Grillwürste - 20 Prozent der Produktion - aus dem Handel gezogen werden können. Erst Anfang November hatte ein Fleischskandal Niedersachsen erschüttert. Ein 45 Jahre alter Unternehmer war in Verdacht geraten, aus seinem Betrieb im Kreis Cloppenburg verdorbenes Geflügelfleisch in den Handel gebracht zu haben. Der Betrieb wurde geschlossen. FTD-Newsticker - die aktuelle Nachrichtenlage für Ihr Java-Handy.FTD Desktop-Alarm - Eilmeldungen schnell auf Ihren PC.FTD Bildschirmschoner - aktuelle Nachrichten und Aktienkurse direkt auf den PC.

  • FTD.de, 21.11.2005
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