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Merken   Drucken   24.01.2012, 17:05 Schriftgröße: AAA

Flüchtlinge: Zahl der Asylbewerber steigt zum vierten Mal in Folge

Die meisten kommen über die türkisch-griechische Landgrenze. Menschen aus Krisenländern wie Afghanistan und Syrien gelangen von dort aus in die EU. Viele von ihnen stellen ihren Asylantrag in der Bundesrepublik.
Die Zahl der Asylbewerber ist das vierte Jahr in Folge gestiegen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stellten im vergangenen Jahr 45.741 Menschen einen Antrag - elf Prozent mehr als 2010. Gleichzeitig handelt es sich um den höchsten Wert seit acht Jahren. "Deutschland ist und bleibt damit neben Frankreich das Hauptaufnahmeland für Asylbewerber in der EU", sagte Innenminister Hans Peter Friedrich (CSU).
Die meisten Flüchtlinge gelangen über die Türkei in die EU   Die meisten Flüchtlinge gelangen über die Türkei in die EU
Die Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die Probleme der europäischen Asylpolitik. Haupteinfallstor für die Flüchtlinge ist die griechisch-türkische Landgrenze. Die EU-Grenzschutzorganisation Frontex teilte in der vergangenen Woche mit, dass allein im dritten Quartal dort 18.000 Menschen aufgegriffen wurden, die versuchten in die EU zu gelangen. Griechenland sei das Haupttransitland für Flüchtlinge, die von dort aus in andere EU-Mitgliedstaaten reisten.
Laut EU-Recht müssten die Asylanträge in Griechenland bearbeitet werden. Die deutschen Stellen könnten einen Asylsuchenden dorthin zurückschicken. Die griechischen Behörden sind jedoch mit dem Ansturm überfordert. Deshalb werden die Anträge bereits seit Anfang 2010 in Deutschland bearbeitet.
Die Schutzsuchenden kommen vor allem aus Krisenländern, wie Afghanistan, Irak und Syrien. Besonders drastisch war der Anstieg bei den Pakistanern. Ihre Zahl verdreifachte sich im Vergleich zu 2010 auf gut 2500. Die Zahl der Asylbewerber aus Syrien stieg um knapp 77 Prozent auf 2634.
Kaum niedergeschlagen haben sich dagegen nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die politischen Umwälzungen in Tunesien, Libyen und Ägypten. Zwar seien die Flüchtlingszahlen aus diesen Ländern ebenfalls gestiegen, sie bewegten sich aber weiterhin auf niedrigem Niveau.
Keine Chance auf Erfolg haben Asylbewerber aus Serbien. Gut 4580 Antragsteller kamen aus der früheren jugoslawischen Republik. Seit die Visapflicht 2009 abgeschafft worden ist, können Serben leichter nach Deutschland einreisen. Zu mehr als 90 Prozent handelt es sich nach Angaben des Innenministeriums um Roma. Sie werden trotz der Benachteiligung im Herkunftsland nicht als politisch Verfolgte anerkannt. Innenminister Friedrich kündigte an, die Asylanträge von Serben weiterhin zügig abzulehnen.
Vor zehn Jahren gab es in Deutschland fast 90.000 Asylbewerber-Erstanträge. 1995 waren es sogar 127.000 - allerdings unter völlig anderen rechtlichen Rahmenbedingungen.
  • FTD.de, 24.01.2012
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