In der Rangliste der beliebtesten Spitzenpolitiker befindet sich Wulff laut ARD im Mittelfeld. 33 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Er verlor damit binnen eines Monats elf Prozentpunkte an Zustimmung. Direkt vor ihm liegt Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der an Ansehen gewann. Er "legt satte neun Punkte zu und erreicht mit 34 Prozent den besten Wert seit zwei Jahren", teilte die ARD auf ihrer Internetseite mit. Hinter Wulff rangieren demnach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und sein Linken-Pendant Gregor Gysi (jeweils 29 Prozent). Dahinter kommt der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler mit 18 Prozent. Die Liste führt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU/65 Prozent) an, gefolgt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU/ 64 Prozent).
Von der Wulff-Affäre ist inzwischen die Politik insgesamt betroffen. Nur drei Prozent halten die mutmaßlichen Mauscheleien des Ex-Ministerpräsidenten, dem unter anderem vorgeworfen wird, sich einen Hauskredit zu besonders günstigen Konditionen beschafft zu haben, für einen Einzelfall. Die Mehrheit von 53 Prozent glaubt der Umfrage zufolge, dass sich die "meisten Politiker wirtschaftliche Vorteile im Amt sichern". 41 Prozent trauten dies immerhin einer Minderheit zu. Weniger als die Hälfte (43 Prozent) der Teilnehmer sind der Meinung, der Bundespräsident habe Respekt vor Gesetzen. "Einzig seine Sympathiewerte sind stabil bei 65 Prozent", teilte die ARD mit.
Nach Darstellung des Senders sprach sich bis zum Jahreswechsel stets eine deutliche Mehrheit für Wulffs Verbleib im Amt aus. "Dann schwankten die Zahlen mit den neuen Meldungen und pendelten sich bei einem Gleichstand ein." Inzwischen möchten gerade noch 43 Prozent, dass er weiter Herr von Schloss Bellevue bleibt.
Wulff und seinem langjährigen Pressesprecher Olaf Glaeseker - inzwischen entlassen - wird vorgeworfen, mit der Wirtschaft gekungelt zu haben. Im Fall des Präsidenten verneinten die Ermittlungsbehörden einen Anfangsverdacht und leiteten kein Ermittlungsverfahren ein. Anders dagegen bei Glaeseker, wo die Staatsanwaltschaft von deutlichen Indizien spricht. Den Zorn der Öffentlichkeit zog das Staatsoberhaupt auch damit auf sich, dass er "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann mit "Krieg" drohte, falls dieser nicht einen für ihn, Wulff, unliebsamen Artikel stoppe. Zudem wird der Bundespräsident beschuldigt, Transparenz zu versprechen, aber immer nur zuzugeben, was gerade bekannt wird ("Salamitaktik").
Erst am Donnerstag waren neue Vorwürfe gegen Wulff und seine Ehefrau Bettina laut geworden, die von der Berliner Staatsanwaltschaft untersucht werden sollen und gegen die die Präsidentengattin gerichtlich vorgeht.