SPD-Fahne im Wind
Güllner nannte die Forderung der SPD etwa nach einer Reichensteuer in ihrem am Montag verabschiedeten Manifest im Gespräch mit FTD-Online ein "durchschaubares Wahlkampfmanöver". Die meisten Wähler fänden solche Forderungen zwar richtig. "Deshalb werden sie aber nicht SPD wählen."
Nach Einschätzung des Leiters des Meinungsforschungsinstituts und Schröder-Beraters sind die Wähler in den vergangenen Jahren nicht wegen der Reformagenda oder einer angeblichen "Gerechtigkeitslücke" von der SPD abgerückt, sondern weil sie die Partei für unfähig halten, eine für notwendig erachtete Politik umzusetzen. "Die sind überzeugt, 'die können es nicht'", sagte Güllner "Das ändere ich nicht, indem ich ein wenig nach links rücke. Das befriedigt einige Funktionäre, aber nicht die Wähler."
"SPD hat abgewirtschaftet"
Unabhängig von dem Wahlprogramm sieht Güllner kaum Chancen für die SPD, aus ihrem Umfragetief zu kommen. "Die Partei hat auf allen Ebenen abgewirtschaftet, in den Kommunen, in den Ländern und jetzt auch im Bund. Sie hat keine Leute. Wie soll sie da den Trend drehen?" Dazu komme, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Rede am Freitag im Bundestag vor der Vertrauensfrage zu Recht beschrieben habe, dass die Partei nicht mehr hinter ihm stehe. "Aus diesem Dilemma kommt die SPD nicht heraus."
Güllner glaubt deshalb auch nicht, dass der Kanzler mit seinen nach wie vor hohen Beliebtheitswerten der SPD bei der Wahl entscheidende Pluspunkte bringen wird. Auch bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen habe die SPD verloren, obwohl ihre Spitzenkandidaten Heide Simonis und Peer Steinbrück ein höheres Ansehen hatten als ihre CDU-Konkurrenten. Daraus folgt für den Forsa-Chef: "Die Kandidaten-Frage wird bei dieser Wahl keine entscheidende Rolle spielen. Die Union gewinnt mit jedem Kandidaten. Diesmal würde sie sogar mit Edmund Stoiber gewinnen."