In der Untersuchung, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums entstand, hat das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) die Bürokratiekosten der Unternehmen erstmals anhand objektiver Kriterien gemessen. "Vorher gab es nur Schätzungen", sagte Frank Wallau, der die Studie des IfM betreut hat.
Die wachsenden Bürokratiekosten werden von Unternehmern und Experten vielfach als Wachstumsbremse kritisiert. Das Bundeskanzleramt arbeite daher "mit Hochdruck" an einem Konzept zum Bürokratieabbau, sagte ein Sprecher. Die Bundesregierung will das Thema zu einem ihrer Schwerpunkte in diesem Jahr machen.
Die Forscher vom IfM haben in ihrer Studie anhand eines "Stoppuhr-Modells" untersucht, wie viel Zeit bürokratische Prozesse in Anspruch nehmen, und haben dazu 25 Unternehmen ausgewählt. Für die Anmeldung eines geringfügig Beschäftigten benötigte ein Mitarbeiter demnach durchschnittlich 31 Minuten - das sind umgerechnet rund 13 Euro für eine einzige Anmeldung. Auf alle Unternehmen und ein Jahr bezogen kostet damit allein die Anmeldung geringfügiger Beschäftigungen rund 55 Mio. Euro.
360 Behördenvorgänge
Die Wissenschaftler beschränkten sich in ihrer Studie zunächst auf 20 dieser bürokratischen Prozesse - allein die belasteten die Unternehmen mit rund 2 Mrd. Euro pro Jahr, so die Studie. "Davon könnte man viel einsparen", sagte Wallau.
Insgesamt zählten die Forscher 360 Meldungen, Bescheinigungen und Statistiken, die Unternehmen den Behörden vorlegen müssen. Wie viel Kosten dadurch entstehen, kann das Institut allerdings nicht beziffern, da es sich bei der Studie um ein Pilotprojekt handelt. In älteren Untersuchungen hatten Wissenschaftler die gesamten Bürokratiekosten in Deutschland auf etwa 46 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte "verbindliche Zielvorgaben" von der Bundesregierung beim Abbau von Bürokratie. "Es sollten 25 Prozent Bürokratiekosten bis zum Ende der Legislaturperiode eingespart werden. Das sind über 10 Mrd. Euro", sagte Marc Evers, Mittelstandsexperte des DIHK. Gerade kleine und mittlere Unternehmen könnten die komplizierte Rechtslage etwa beim Kündigungsschutz nicht bewältigen. "Allein dazu gibt es 3000 Seiten Rechtskommentar."