Um solche Ungleichheiten zu beseitigen, vor allem aber um das Ärgernis auszuräumen, dass Bundestagsabgeordnete und -minister großzügige Pensionen genießen, ohne dafür Beiträge zu entrichten, hat Struck eine grundlegende Reform vorgeschlagen: Die Parlamentarier sollen künftig einen festen Betrag für ihre Altersversorgung bekommen und sich dann selbst versichern.
Bislang erhalten sie pro Jahr der Zugehörigkeit zum Bundestag drei Prozent ihrer Diäten als so genannte Altersentschädigung, wobei maximal 23 Jahre angerechnet werden. Um den Pensionsanspruch zu erwerben, müssen sie mindestens zwei Legislaturperioden im Bundestag sitzen. Trotz der vorgezogenen Neuwahl gilt dabei die letzte Legislatur voll.
Folgen die anderen Parteien Strucks Vorschlag, würden die Abgeordneten in Zukunft behandelt wie normale Beschäftigte. Für die Neuregelung müssten ihre monatlichen Bezüge nach Strucks Vorstellungen allerdings "fast verdoppelt, jedenfalls deutlich erhöht" werden.
Vorbild NRW
Vorbild ist Nordrhein-Westfalen. Dort haben die Landtagsabgeordneten nach jahrelanger Debatte im Frühjahr ihre Diäten auf knapp 9500 Euro verdoppelt. Gleichzeitig strichen sie die steuerfreie Pauschale und müssen jetzt mit 1500 Euro selber fürs Alter vorsorgen.
Ob eine solche Erhöhung der Bundestagsdiäten angesichts der Spar- und Steuererhöhungspläne der großen Koalition öffentlich durchsetzbar ist, darf bezweifelt werden - auch wenn selbst der Steuerzahlerbund Unterstützung signalisiert.
Die Bezahlung der aktiven Parlamentarier jedenfalls ist nach wiederholten Nullrunden mit derzeit 7009 Euro nicht allzu üppig, gemessen an ihrer Verantwortung und zeitlichen Belastung. Finanzminister Peer Steinbrück wies darauf hin, dass jeder Sparkassendirektor mehr verdient als ein Minister, bei einer Durchschnittsarbeitswoche von 70 bis 80 Stunden. Steinbrück hat auch seinen Stundenlohn ausgerechnet: 38 Euro. Da verdient selbst mancher Handwerker mehr.