Heute berufen Spitzenkandidaten wie jetzt Angela Merkel ein "Kompetenzteam". Das klingt wesentlich moderner und soll suggerieren, dass die jeweilige Partei über ganz viel Sachkenntnis verfügt und über herausragende Köpfe, die das jeweilige Gebiet medienwirksam vertreten. Die Spitzenfrau oder der Spitzenmann werden so im Idealfall von einer kleinen, schillernden Truppe eingerahmt, die der Wahlkampagne zusätzlichen Glanz verleiht.
Entsprechend geheimnisvoll wird die Vorstellung des "Kompetenzteams" jeweils vorbereitet. Es soll eine Überraschung für die Medien und die Wähler werden, mit der die Partei Punkte in den Umfragen zu machen hofft (und nebenbei, wie jetzt bei Merkel, von Pannen im Wahlkampf abzulenken). Manchmal, wie Edmund Stoiber vor drei Jahren, stellen die Spitzenkandidaten ihre mehr oder weniger kompetenten Mitstreiter auch häppchenweise vor, um den Überraschungseffekt zu strecken und so Woche für Woche neue PR-Events zu kreieren.
PR-Effekt als Mogelpackung
Das hat allerdings einen Nachteil: Fällt die Berufung des Kompetenzteams nicht ganz so glamourös aus und sind die Kandidaten nicht alle wirklich überzeugend, geht der Schuss leicht nach hinten los. So provozierte Merkel tagelang negative Schlagzeilen, weil sie offenkundig Mühe hatte, geeignete Experten für das Thema Wirtschaft und Finanzen von Außen zu finden und sie zu überreden, in ihr Team einzutreten.
Ohnehin ist das "Kompetenzteam" eine Mogelpackung. Denn es ist keineswegs gesagt, dass seine Mitglieder tatsächlich später Minister für ihr jeweiliges Fachressort werden. Dazu kommt im Fall der Union, dass CDU-Chef Stoiber, genauso wie Merkel 2002, nicht zum Team gehört, weil er sich als Parteivorsitzender für alles kompetent fühlt und weil er sich nicht festlegen will, ob er nach Berlin geht oder in München bleibt. So ist der Wähler eher geblendet und weiß nicht so recht, was er da eigentlich erkennen soll.