Während des Fernsehduells zwischen Bundeskanzler Schröder und Angela Merkel
Nicht der Osten, sondern die Frauen haben bei den letzten Bundestagswahlen Rot-Grün zum Wahlsieg verholfen - kaum ein Artikel, der das Wahlverhalten der Deutschen analysiert, kommt ohne diese Zusammenfassung aus. So florieren auch die Spekulationen darüber, ob Angela Merkel als erste Kanzlerkandidatin nicht doch noch die Unentschlossenen unter den Wählerinnen auf die Seite der Union ziehen wird. Merkel allerdings lässt im Wahlkampf Frauenthemen so gut wie links liegen. Das ist gut so, sagen Meinungsforscher.
"Punkten, wo der Schmerz am größten ist"
"Die Parteien müssen versuchen, da zu punkten, wo der Schmerz in der Gesellschaft am größten ist", sagt Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen. Dies sei gegenwärtig beim Thema Arbeitslosigkeit der Fall. Zudem stehe die Unions-Kanzlerkandidatin nicht für Frauenpolitik. Hätte Merkel im Wahlkampf verstärkt darauf gesetzt, sie hätte Wählerinnen möglicherweise wegen Unglaubwürdigkeit abgeschreckt. "Einer Kandidatin von der SPD hätte man das eher abgenommen", sagt Wolf.
Auch Forsa-Chef Manfred Güllner glaubt nicht, dass die Wählerinnen am Sonntag zwischen Kanzler und Kanzlerin wählen werden. Zwar räumt der Meinungsforscher ein, dass es 2002 die Frauen waren, die gegen CSU-Chef Edmund Stoiber und für Schröder entscheiden haben. "Dieser Effekt fällt aber bei dieser Wahl weg." Umgekehrt hat Merkel keinen Frauen-Bonus: Nur jede fünfte Wählerin würde sich von einer Frau als Bundeskanzlerin besser vertreten fühlen als von einem Mann, ergab eine Forsa-Umfrage.
"Diese Wahl wird von der Entscheidung überlagert, ob Rot-Grün weiter regieren soll oder ob Schwarz-Gelb die Probleme dieses Landes besser meistern kann", sagt Güllner. Und diese Entscheidung richteten Frauen - ebenso wie Männer - nach Einkommen, Alter oder Beruf aus. Dass bei knappen Verhältnissen Frauen als homogene Wahlgruppe in Deutschland eine Wahl entscheiden könnten, dies sei ein Mythos, sagt Güllner. "Im vergangenen Wahlkampf ist ein vorschnelles Bild entstanden, das der näheren Betrachtung nicht standhält."
Pauschalisieren bringt nicht weiter
"Das Wahlverhalten ist viel stärker vom Alter abhängig als vom Geschlecht", sagt auch Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Instituts Emnid. So seien ältere Frauen tendenziell wertekonservativ, für junge Frauen sei die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wahlentscheidend. "Die Wahlgruppe Frauen zu pauschalisieren, bringt nicht viel weiter", sagt Schöppner.
Zumindest in einer Wählergruppe liegt Angela Merkel laut Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen derzeit aber in der Gunst weit vor Gerhard Schröder: Bei den Männern über 60 Jahren.
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