"Ich habe mich entschieden, als stellvertretende CDU-Parteivorsitzende nicht mehr zur Verfügung zu stehen. 14 Jahre sind genug", sagte Schavan in einem am Samstag verbreiteten Interview des Magazins "Focus". Beim Parteitag im Dezember wolle sie sich nicht wieder um ein Spitzenamt in der CDU bewerben. Die 57-Jährige kündigte aber an, sie strebe weiter ein Bundestagsmandat an. Ihre Lust auf Politik sei ungebrochen.
Schavan sagte zur Begründung, beim Parteitag im vergangenen Jahr sei mit der Modernisierung der Bildungspolitik eines ihrer Kernanliegen verwirklicht worden. "Jetzt ist also der richtige Zeitpunkt, mich aus der Parteiführung zurückzuziehen." In der CDU war über den Rückzug der engen Vertrauten der Vorsitzenden Angela Merkel seit Wochen spekuliert worden.
Schavan ist seit dem Jahr 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Zuvor war die ehemalige Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken zehn Jahre lang Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Bei den Wahlen zum Präsidium hatte sie beim Bundesparteitag im Jahr 2010 mit 64,17 Prozent sowie im Jahr 2008 mit 73,9 Prozent das jeweils schlechteste Ergebnis aller Merkel-Stellvertreter erhalten.
Als Favoritin für die Nachfolge Schavans gilt die rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Julia Klöckner. Diese brachte den zuvor von Affären zerrütteten CDU-Landesverband in Rheinland-Pfalz auf Vordermann. Zudem macht sich die Union angesichts eines angeschlagenen SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck Hoffnungen auf einen Regierungswechsel in Mainz. Der Posten der Parteivizechefin würde der 39-jährigen studierten Theologin noch mehr Gewicht und mediale Aufmerksamkeit bescheren.
Allerdings kann es auch sein, dass der wesentlich größere Landesverband Baden-Württemberg den Posten erneut für sich reklamiert. Traditionell erheben die vier großen Verbände Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen Anspruch auf eine Präsenz in der CDU-Spitze. In diesem Fall dürfte am ehesten der Landeschef und Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl seinen Hut in den Ring werfen. Aber auch der Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, könnte kandidieren.
Mit dem ehemaligen Bundesumweltminister Norbert Röttgen verlässt zudem ein weiterer bisheriger Vizeparteichef die Führungsriege der CDU. Als sein designierter Nachfolger gilt NRW-Landeschef Armin Laschet. Für die weiteren Vizeposten dürften erneut Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier kandidieren.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zollte Schavan Respekt für ihre Entscheidung. "Die CDU Deutschlands hat allen Grund, ihr für eine herausragende Arbeit in der Parteispitze zu danken", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht. Laut "Focus" will Gröhe nun alles tun, um offene Kampfkandidaturen zu verhindern. Aus der Parteizentrale in Berlin hieß es jedoch, es sei Sache der Landesverbände, Vorschläge zu machen.