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Merken   Drucken   17.08.2008, 20:50 Schriftgröße: AAA

Frühe Bildung: Fachkräfte im Kindergarten

Dossier Unternehmen suchen ihre Mitarbeiter von morgen bereits in den Kindergärten von heute. Sie wollen die Kleinen schon früh für Forschung begeistern - etwa mit naturwissenschaftlichen Experimenten. von Monika Dunkel
Wie kommen wir an unseren Schatz, ohne nass zu werden?" Die Erzieherin schaut erwartungsvoll in ein Dutzend Augenpaare. Der Schatz ist ein Zwei-Cent-Stück, das die Erzieherin in einem Teller mit Wasser versenkt hat. Der fünfjährige Ron fasst sich als erster ein Herz und greift mit seiner Hand ins Wasser. "Bist du nicht nass?" Ron verneint, grinst, da doch ein paar Tropfen von seiner Hand fallen. "Hat jemand eine andere Idee?" Fabian meldet sich. "Ja, wir müssen ein Teelicht anzünden, ins Wasser stellen und darüber ein Glas stülpen." "Wow", die Pädagogin ist baff. "Woher weißt du das denn?"
Fabian ist geständig. "Ich habe das Experiment schon mal gemacht." Petra Prims ist erleichtert. So viel Genie wäre doch beängstigend. In der Tat: Das Wasser wird nach und nach in das Glas mit dem Teelicht gesogen, und der Schatz kann trocken geborgen werden.
Die Maikäfergruppe der Kita Sonnenschein in Berlin-Glienicke ist voll bei der Sache. Der Versuch aus der Forscherkiste "Luft, Wasser, Farben" ist eins von drei Experimenten, das die Kinder heute früh ausprobieren. Es ist eine von zwei Kisten, die Siemens der Kita gestiftet hat, um "Elektrizität und Schall" geht es in der zweiten. "Wir wollen schon bei den Kleinsten das Interesse für Technik und Naturwissenschaften wecken", sagt Maria Schumm-Tschauder, Leiterin des Bildungsprogramms Siemens Generation 21 in München. In den Kindergärten und Kitas komme das meist zu kurz, erläutert sie. "Oft fehlt das Material, und die Erzieherinnen haben Berührungsängste."
In Zukunft geht es darum, dass aus einer kleiner werdenden Zahl von ...   In Zukunft geht es darum, dass aus einer kleiner werdenden Zahl von Kindern mehr ausgebildete Fachkräfte werden
Früher ging es in Kitas vor allem darum, dass die Kleinen tagsüber betreut sind und keine Dummheiten machen. In Zukunft wird es auch darum gehen, dass aus einer kleiner werdenden Zahl von Kindern in Deutschland mehr ausgebildete Fachkräfte werden. Inzwischen wissen Experten, dass Kinder in den ersten Lebensjahren besonders gerne und intensiv lernen. In diesen Jahren werden bereits die Weichen für die spätere Bildungsbiografie gestellt.
Seit Ende 2005 verteilt Siemens in Deutschland Forscherkisten - 2800 sind zwischen München, Berlin, Kiel und Aachen im Einsatz. Drin sind Material für kleine Experimente, Pipetten, Reagenzgläser, Kristalle, Batterien, Glühbirnchen und viele Versuchsvorschläge. Zielgruppe der gut 500 Euro teuren Minilabors sind drei- bis sechsjährige Kinder - und ihre Erzieherinnen. "Wir haben alle Versuche selbst gemacht", sagt Pädagogin Elke Ritz, die in der Schule nicht die Stärkste in Naturwissenschaften war.
Auch Bosch versucht, bereits die Kleinsten für Technik zu begeistern. Der Elektrokonzern schickt seine Auszubildenden in Kindergärten. Die Kinder sollen sich so spielerisch für Technik begeistern. 1000 Bildungspartnerschaften hat der Konzern mittlerweile mit Kindergärten oder Schulen. Unter dem Dach der "Wissensfabrik" fördert die deutsche Wirtschaft die frühkindliche Bildung - 65 Unternehmen sind hier Mitglied. Die Telekom-Stiftung hat im vergangenen Jahr 1,5 Mio. Euro für Frühförderung ausgegeben. Der Verband Südwestmetall finanziert mit 1 Mio. Euro Technologieecken in 90 Kindergärten. Auch BASF unterstützt in Ludwigshafen verschiedene Konzepte zur frühkindlichen Förderung.
Das Engagement der Unternehmen soll einen Mangel beheben, der bereits heute eklatant und in 20 Jahren dramatisch sein wird. Nach Angaben der Branchenverbände fehlen in Deutschland derzeit mehr als 90.000 Ingenieure.
Ob aus Ron oder Fabian in der Kita Sonnenschein tatsächlich Ingenieure oder Naturwissenschaftler werden, darüber wagen die Erzieherinnen keine Prognose: Wirkung hätte das Experimentieren in jedem Fall auf die Eltern. Überliefert sei der Fall eines Vaters, der stundenlang in der Badewanne ausharrte, bis sein Sprössling das Luftblasen-Druck-Experiment erfolgreich durchgeführt hatte.
  • Aus der FTD vom 18.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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