In Zukunft geht es darum, dass aus einer kleiner werdenden Zahl von Kindern mehr ausgebildete Fachkräfte werden
Früher ging es in Kitas vor allem darum, dass die Kleinen tagsüber betreut sind und keine Dummheiten machen. In Zukunft wird es auch darum gehen, dass aus einer kleiner werdenden Zahl von Kindern in Deutschland mehr ausgebildete Fachkräfte werden. Inzwischen wissen Experten, dass Kinder in den ersten Lebensjahren besonders gerne und intensiv lernen. In diesen Jahren werden bereits die Weichen für die spätere Bildungsbiografie gestellt.
Seit Ende 2005 verteilt Siemens in Deutschland Forscherkisten - 2800 sind zwischen München, Berlin, Kiel und Aachen im Einsatz. Drin sind Material für kleine Experimente, Pipetten, Reagenzgläser, Kristalle, Batterien, Glühbirnchen und viele Versuchsvorschläge. Zielgruppe der gut 500 Euro teuren Minilabors sind drei- bis sechsjährige Kinder - und ihre Erzieherinnen. "Wir haben alle Versuche selbst gemacht", sagt Pädagogin Elke Ritz, die in der Schule nicht die Stärkste in Naturwissenschaften war.
Auch Bosch versucht, bereits die Kleinsten für Technik zu begeistern. Der Elektrokonzern schickt seine Auszubildenden in Kindergärten. Die Kinder sollen sich so spielerisch für Technik begeistern. 1000 Bildungspartnerschaften hat der Konzern mittlerweile mit Kindergärten oder Schulen. Unter dem Dach der "Wissensfabrik" fördert die deutsche Wirtschaft die frühkindliche Bildung - 65 Unternehmen sind hier Mitglied. Die Telekom-Stiftung hat im vergangenen Jahr 1,5 Mio. Euro für Frühförderung ausgegeben. Der Verband Südwestmetall finanziert mit 1 Mio. Euro Technologieecken in 90 Kindergärten. Auch BASF unterstützt in Ludwigshafen verschiedene Konzepte zur frühkindlichen Förderung.
Das Engagement der Unternehmen soll einen Mangel beheben, der bereits heute eklatant und in 20 Jahren dramatisch sein wird. Nach Angaben der Branchenverbände fehlen in Deutschland derzeit mehr als 90.000 Ingenieure.
Ob aus Ron oder Fabian in der Kita Sonnenschein tatsächlich Ingenieure oder Naturwissenschaftler werden, darüber wagen die Erzieherinnen keine Prognose: Wirkung hätte das Experimentieren in jedem Fall auf die Eltern. Überliefert sei der Fall eines Vaters, der stundenlang in der Badewanne ausharrte, bis sein Sprössling das Luftblasen-Druck-Experiment erfolgreich durchgeführt hatte.