Mit der Fokussierung auf Deutschlands klassische Kernkompetenzen im Maschinen- und Automobilbau oder in der Chemieindustrie will Steinmeier einen endgültigen Schlussstrich unter die Phase der "Dominanz angloamerikanischer Wirtschaftsphilosophien" ziehen. Auch in der SPD hatten die Interessen der Finanzindustrie während ihrer Regierungszeit einen Widerhall gefunden. Steinmeier sagte, es gehe ihm nicht darum, die Finanzbranche zu verdammen. "Aber wir müssen eine Sensibilität dafür schaffen, dass die Finanzmärkte nicht künstlich Wertschöpfung betreiben können, wenn demgegenüber keine realwirtschaftliche Wertschöpfung steht."
Zugleich setzt sich Steinmeier, der neben Parteichef Sigmar Gabriel und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück als möglicher Kanzlerkandidat gilt, damit in einem zentralen Politikfeld von seinem Wunschkoalitionspartner ab. Mit Blick auf den Fokus der Grünen auf Ökotechnologien sagte er: "Der Wert unserer Volkswirtschaft ist nicht, dass es am Ende einige erfolgreiche Unternehmen gibt, die Fotovoltaikzellen, die überwiegend aus China kommen, zusammenbasteln können oder die bei der Windkraft einen Dynamo auf einen Mast stellen können." Die Stärke der deutschen Wirtschaft sei, dass sie als die inzwischen vielleicht einzige in Europa noch "das ganze Spektrum von den Grundstoffindustrien bis zur Hightech-Schmiede ganz am Ende des Prozesses" abdecke.
Anspruch der SPD ist eine "integrierte Industriepolitik", die gleichermaßen die - auch klimaschonende - Modernisierung klassischer Industriezweige und die Entwicklung neuer Technologien im Blick hat und auch die Bedeutung produktionsnaher Dienstleistungen berücksichtigt. Aus ihrer Sicht ist eine starke Old Economy erst die Voraussetzung für den Erfolg grüner Anwendungstechnologien.
Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftleistung liegt in Deutschland bei rund 25 Prozent - gemessen an anderen Industriestaaten ein hoher Wert. Auf sein Konto gehen etwa 90 Prozent der Investitionen in Forschung und Entwicklung.