CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos scheiterte beim Gaststättenrecht
Nun soll aber alles besser werden. Die große Koalition will mit einem Bürokratiekosten-TÜV und einem Normenkontrollrat Transparenz in die Kosten bringen, der Verwaltungsaufwand bei Unternehmen verursacht. Damit soll der Widerstand der Lobbygruppen gebrochen werden.
Der Verwaltungswissenschaftler Werner Jann spricht von einem "eisernen Dreieck" aus Fachpolitikern, Behörden und Verbänden, die ihr geballtes Fachwissen gegen die als Generalisten agierenden Entbürokratisierer in Stellung brächten. Diesem Dreieck falle es leicht, Widerstand zu mobilisieren, während die Bürokratiegegner häufig allein dastünden.
Im Fall des Gaststättenrechts sorgte sich der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) beispielsweise um den Jugendschutz, wenn die Erlaubnispflicht wegfällt. Auch den Brandschutz sah der ZDH in Gefahr. Schwerere Geschütze fuhr Städtetagspräsident Christian Ude auf. Die geplante Deregulierung sei ein Einfallstor für das Milieu, schimpfte er. "Ich gehe jede Wette ein, dass der Volkszorn für einen Meinungsumschwung sorgen wird, sobald Polizei bekannte schwere Jungs wieder einen Laden schmeißen, Verstöße gegen das Lebensmittelrecht bekannt werden oder Feuer in einem Gasthaus ausbricht", sagte Ude.
Von Behörde zu Behörde
Nach geltendem Recht muss ein angehender Gastwirt eine Vielzahl von Prüfungen über sich ergehen lassen. Gewerbe- und Gewerbeaufsichtsamt, Ordnungsamt, die Brandschutzbehörde, das Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, die Eichbehörde, das Bauamt, das Veterinäramt und die Polizei schauen, ob alles seine Richtigkeit hat. Das kostet natürlich Gebühren.
Darüber sprach der Münchner Oberbürgermeister lieber nicht. Der Aufschrei reichte jedenfalls, um den Wirtschaftsminister zur Aufgabe zu bewegen. Glos ist nun froh, dass er das bundesweit geltende Gaststättenrecht im Zuge der Föderalismusreform an die Länder weiterreichen darf.