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Merken   Drucken   03.09.2009, 14:08 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Bereit machen zur Zinswende  

Die Risikobereitschaft der Investoren steigt und die Anzeichen für das Entstehen einer neuen Blase mehren sich - das sollte die Notenbanken alarmieren. Die EZB müsste die Märkte auf einen Kurswechsel vorbereiten. von Martin W. Hüfner
Martin W. Hüfner ist Chefvolkswirt bei Assenagon Asset Management. Er war viele Jahre Chefvolkswirt beziehungsweise Senior Economist bei der HypoVereinsbank und der Deutschen Bank.
Wenn sich die Mitglieder des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt zu ihrer turnusmäßigen Sitzung treffen, können sie sich zufrieden auf die Schultern klopfen. Sie haben in den vergangenen Monaten einen guten Job gemacht. Ihre Maßnahmen haben zusammen mit denen der Finanzminister eine weitere Ausdehnung der Rezession und eine Kernschmelze an den Finanzmärkten verhindert. Andererseits sind Inflationsgefahren, die einen Politikwechsel erfordern würden, noch nicht am Horizont erkennbar. Aber ist die Welt wirklich so heil? Müssen die Notenbanker wirklich noch nichts tun?
Nach dem traditionellen Verständnis von Geldpolitik ist es für eine Zinserhöhung bei Weitem zu früh. Hauptaufgabe der Notenbanken ist es, für Preisstabilität zu sorgen. Solange es keine Indizien für einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise gibt, muss die Geldpolitik auch nicht aktiv werden. Derzeit ist das tatsächlich der Fall. Die Verbraucherpreise liegen um 0,2 Prozent unter Vorjahr.
Zwar weiß jeder, dass das nicht so bleiben wird. Ab September/Oktober werden die Raten wieder ins Positive drehen. Aber angesichts der schwachen Konjunktur und der großen Unterauslastung der Kapazitäten der Unternehmen ist nicht zu erwarten, dass sich das Bild in absehbarer Zeit grundlegend ändern wird. In der Euro-Zone wird die Inflationsrate aller Voraussicht nach noch bis Ende 2010 unter zwei Prozent liegen.
Das ist aber nur das traditionelle Verständnis. Aus der letzten Krise haben wir gelernt, dass es für Notenbanken nicht reicht, nur auf die Verbraucherpreise zu schauen. Sie müssen ihren Blick vielmehr auch auf die generelle Liquiditätssituation richten, vor allem auch auf die Preise der Vermögensgüter. Hier können sich Ungleichgewichte aufbauen, die später zu erheblichen Problemen in der Realwirtschaft und auf den Finanzmärkten führen können.
Lange Zeit dachte man (vor allem der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan), dass die Geldpolitik solche Blasen nicht verhindern könne. Sie solle sich daher auf die Bekämpfung der Folgen nach dem Platzen der Blase konzentrieren. Inzwischen sind sich die meisten Geldpolitiker aber wohl einig, dass man zumindest versuchen soll, auch das Entstehen von Blasen zu unterbinden.
Anzeichen für das Entstehen einer neuen Blase sind jetzt wieder erkennbar. Die Aktienkurse haben sich seit dem Tiefpunkt im März gemessen am deutschen Aktienindex Dax um mehr als 40 Prozent erhöht. Sie gehen so schnell nach oben, wie sie vorher gefallen sind. In China sind erste Krisenzeichen erkennbar.
  • Aus der FTD vom 04.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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