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Merken   Drucken   26.04.2011, 20:45 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Die Quote bestraft die Frauen

Exklusiv Eine gesetzliche Vorgabe zum Anteil weiblicher Führungskräfte ist Irrsinn. Sie führt bei den einen zu Überforderung - und stempelt die anderen als "Quotenfrauen" ab. von Eggert Voscherau
Starre, gesetzlich festgesetzte Quoten - egal wofür - sind eine Bankrotterklärung der Politik. Eine starre Quote ist der Versuch, Wirtschaft und Gesellschaft von oben herab einzuhämmern, was kontinuierlich von unten wachsen muss.
Jüngstes Beispiel dafür ist die laufende Debatte um eine Quote für Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft, etwa in Vorständen und Aufsichtsräten. Im Zusammenspiel von Medien und Politik wird der Quoten-Formalismus seit Jahresbeginn auf nationaler wie europäischer Ebene mit Inbrunst vorangetrieben, hübsch verpackt mit dem Label Gerechtigkeit und Chancengleichheit für Frauen.
Eggert Voscherau   Eggert Voscherau
Gegen dieses Ziel wird und kann niemand ernsthaft Einspruch erheben. Gegen das Mittel zum Zweck, die Quote, ist Einspruch allerdings zwingend geboten. Denn die Befürworter einer Quote verkennen die Realität vor Ort in den Unternehmen. Und sie nehmen in Kauf, dass die Aufstiegschancen von Frauen in der Wirtschaft langfristig Schaden nehmen, wenn auf die Quote als Heilsbringer gesetzt wird.
Die Chemieindustrie lehnt die gesetzliche Quote nicht aus ideologischen Gründen ab, sondern weil jede Quote an der Praxis scheitern muss: In der Praxis rekrutieren die Unternehmen ihr Führungspersonal aus ihrem Mitarbeiterstamm oder dem anderer Unternehmen der Branche. Dabei durchlaufen potenzielle Top-Führungskräfte einen langjährigen Entwicklungs- und Reifeprozess. In der Praxis ist ein Großteil der Führungsaufgaben in der Chemieindustrie mit naturwissenschaftlich-technischen Kompetenzen zu erfüllen.
Leider ist es aber in der Praxis auch so, dass das Interesse von jungen Frauen an den sogenannten Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) noch immer zu schwach ausgeprägt ist. Der Frauenanteil an den Studenten dieser Fächer liegt bei etwa einem Drittel, in den Ingenieurwissenschaften sogar nur bei einem Viertel. Eine gesetzliche Quote liefert noch keine neuen High Potentials.
Die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um das Interesse junger Frauen für Mint-Berufe zu wecken. Die Politik könnte sich ein Beispiel daran nehmen. Aber ein Kulturwandel - und über nichts anderes reden wir - braucht Zeit. Er kann nicht verordnet werden. Eine Quote für Frauen in Führungspositionen verschafft den Unternehmen keine einzige zusätzliche Kandidatin, die Führungsaufgaben übernehmen kann.

Teil 2: Ein smartes Unternehmen fördert Frauen aus eigenem Antrieb

  • FTD.de, 26.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 27.04.2011 10:32:07 Uhr   Dr. Katja Petereit: "Führungsposition" ist keine Anste...

    "Oberste Führungsposition" mutet in der Quotendiskussion an wie eine Anstecknadel, die qualifzierte Frauen für Ihre bisherigen Bemühungen im Berufsleben erhalten sollen. Und dann? Dann geht der Job doch erst los! Erfahrene Profis beiderlei Geschlechts wissen, dass nur der selbst erarbeitete Weg, inkl. der selbstgeknüpften Netzwerke und Steigbügel, Tricks und Kniffe, die Vorbereitung auf die Bewältigung der Anforderungen ist. Sonst droht das böse Erwachen mit erschrecktem Wimpernklimpern nach dem Ausstieg aus der Fördersänfte. ...Aber hochwertige Ganztagsschulen und Kindergärten, um die Zeit zu haben sich den Weg zu erarbeiten, das wäre wirklich klasse! Bis dahin bietet das Bildungssystem eine gute Trainingshürde in Selbstorganisation für Quotenanwärterinnen.

  • 27.04.2011 09:54:27 Uhr   johannes kessner: ausreden, ausreden, nebelkerzen... lobbyarbei...
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