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Merken   Drucken   07.09.2009, 15:27 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Strategie statt Fahrplan für Afghanistan  

Kommentar Indem die deutsche Politik von einem Fahrplan für Afghanistan redet, erweckt sie den Eindruck geordneter Verhältnisse. Sie sollte lieber darüber nachdenken, wie sie die Taliban besiegen kann. von Herfried Münkler
Herfried Münkler ist Professor für politische Theorie an der Berliner Humboldt- Universität.
"Fahrplan für Afghanistan" heißt die Formel, auf die sich die großen Parteien geeinigt haben, um den Bundeswehreinsatz am Hindukusch aus dem deutschen Wahlkampf herauszuhalten. Das zu tun ist sicherlich sinnvoll, weil jede kontrovers geführte Debatte bloß den Taliban in die Hände spielen würde. Außerdem kann und wird es keine Afghanistan-Entscheidungen geben, die allein in Berlin getroffen werden. Alle Beschlüsse müssen schließlich mit den Bündnispartnern abgesprochen und koordiniert werden.
Diese Linie ist gerade von der deutschen Politik in der Vergangenheit mit großer Entschiedenheit vertreten worden. Es wäre unvernünftig, sie jetzt im Wahlkampf aufzuweichen und dann im Nachhinein gegenüber den Verbündeten geschwächt dazustehen. Aber beschreibt der nunmehr ins Spiel gebrachte Begriff des Fahrplans tatsächlich, wie es in Afghanistan weitergehen soll und weitergehen kann?
Erhebliche Zweifel sind angebracht. Vermutlich dient er mehr der Beruhigung der deutschen Bevölkerung, als dass er eine neue Perspektive für Afghanistan eröffnet. Schon das Sprachbild führt in die Irre: Fahrpläne kann man machen, wenn man es mit einer geordneten Normalität zu tun hat; wenn man weiß, wo man hinwill, und wenn man weiß, dass die Züge fahren und einigermaßen pünktlich sind - und vor allem, wenn es keinen Gegenspieler gibt, dessen strategisches Ziel darin besteht, alles durcheinander- und den Verkehr zum Erliegen zu bringen.
Hat man es aber mit einem solchen Gegenspieler zu tun, dann macht man keine Fahrpläne, sondern entwickelt eine Strategie, um ihn auszuschalten oder zum Einlenken zu bringen. Wenn man das geschafft hat, kann man auch wieder Fahrpläne machen.
Ein Streit um Begriffe kann haarspalterisch und überflüssig sein. Das ist hier nicht der Fall. Im Begriff des Fahrplans zeigt sich nämlich das konzeptionelle Zuspätkommen der Deutschen angesichts der afghanischen Herausforderungen.
Einen Fahrplan hätte man zu Beginn des Einsatzes machen müssen, als es zunächst keinen militärisch handlungsfähigen Gegenspieler gab. Dann aber hätte man darauf achten müssen, dass der Fahrplan auch eingehalten wird. Stattdessen hat man sich viel Zeit gelassen und den Bau von Brücken und Brunnen, Schulen und Krankenhäuser gefeiert, anstatt den Aufbau zuverlässiger afghanischer Sicherheitskräfte zu forcieren. Zeitweilig konnte man den Eindruck haben, in Afghanistan stehe den Deutschen alle Zeit der Welt zur Verfügung.
  • FTD.de, 07.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 12.09.2009 11:29:17 Uhr   Melanie Gatzke: Wer zu spät denkt, den bestraft das leben

    Sehr gut!
    So geht es, wenn man erst handelt und dann denkt.
    Zitat:
    Hat man es aber mit einem solchen Gegenspieler zu tun, dann macht man keine Fahrpläne, sondern entwickelt eine Strategie, -
    ---------
    Das haben sie von Anfang an verpennt.-dafür ist der Zug abgefahren.
    Na ja, die Strategie bestand darin, Schulen zu bauen und zu warten, dass alle hurra rufen, und mit offenen Armen die Besatzer empfangen. Doch es kam anders,.Gewarnt davor haben genug.
    Sie sind und waren darauf weder vorbereitet, noch haben sie ein Konzept, wie sie diesen Krieg führen sollen, wie sie ihn gewinnen können und wie sie jemals ohne schweren Ansehensverlust wieder herauskommen..
    Wer nimmt sie noch ernst, sollten sie anderswo nochmal so waghalsig in einen Krieg ziehen.
    Damit müssen sie rechnen: sie werden irgenwann hinauskatapultiert werden, genau wie alle ihre Vorgänger.
    Was dann ?
    Vorerst werden sie immer tiefer hineingezogen, der Preis wird noch hoch werden. Es war eine Illusion, dort hinzugehen und zu glauben, sich mit
    Schulen bauen zu begnügen und die Bürger zu belügen.
    Leute, das ist Krieg, nichts anderes und Krieg sieht eben so aus, wie es sich Stück für Stück entwickelt.
    Das ist noch nicht das Ende, aber für die BW und die Nato der "ANFANG VOM ENDE". Es wird noch brutal werden, davon kann jeder ausgehen.
    Wenn es um Sieg - oder Niederlage geht, wurde noch immer "alles Verfügbare" eingesetzt- von allen Seiten.
    Auch darauf sollten wir uns vorbereiten, denn- dieser Krieg könnte uns bald hier vor Ort einholen , Ich hoffe, wir begreifen dann, was krieg bedeutet, wenn wir ihn wieder mal selber spürten. Jetzt ist er noch weit weg, es sind nur die anderen...... .
    Dafür können wir uns bei Merkel- Jung- Schröder- Schäuble- Fischer und Co bedanken.
    Sie haben die Basis dafür geschaffen, Merkel hat sie verlängert und schon vor der Wahl zur Kanzlerin uneingeschränkte Unterstützung zugesagt.
    Das war ein fataler Fehler. Es gab und gibt keinen Bündnisfall, keinen Angriff und somit auch keine Verteidigungsfall für das Bündnis..
    Terror gab und gibt es immer seit Bestehen der Menschheit.
    Den zu beseitigen, dazu müsste man die Menschheit ausrotten.

  • 07.09.2009 19:41:14 Uhr   Kritiker: BUNDESWEHR
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