Was für eine Stimmungsbremse, dieser Bundespräsident! Mit seiner Ansage, Schloss-Bellevue-Sausen künftig nicht mehr über Finanzsponsoren bezuschussen zu lassen, trübt er die Parteilaune in der Hauptstadt doch gewaltig. Denn es ist ja klar, so was wird Schule machen - und wenn das passiert, dann sind all die schönen gesponserten Parteitage, Bundesland-Sommerfeste, Leistungsschauen und Get-Togethers gar nicht mehr so attraktiv. Weder für die Sponsoren noch für die Besucher. So richtig prickelnd finden das Ganze ohnehin immer weniger Unternehmen - denn: Da zahlen sie bei diesen gesponserten Politveranstaltungen nicht zu knapp dafür, dass sich die immergleichen Nasen aus Politik, Wirtschaft und Medien zuprosten, und dann wird ihnen genau das bestimmt beim nächsten Skandal vorgehalten.
Tatsächlich können vor allem die Unternehmen Joachim Gauck dankbar sein: Sie sparen Geld, das im besten Fall für die Verköstigung und das Amüsement von Leuten ausgegeben worden wäre, denen schon längst nicht mehr auffällt, ob die Deutsche Bank oder Volkswagen gerade die Häppchen finanziert. Die Sponsoren sind doch nur noch austauschbare Infrastrukturprovider für Politprominenz, Wirtschaftsvertreter und Journalisten. Glaubt denn unter diesen Bedingungen wirklich noch jemand ernsthaft an den positiven werblichen Effekt von Politsponsoring? Und dies nach Wulff und nach dem ganzen Niedersachsen-Sponsoring-Debakel?
Es ist ein unaufgeregter Schritt des Bundespräsidenten, dieser Verzicht auf die Fremdfinanzierung der eigenen Festivitäten. Und eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Wir zahlen unsere Feste selbst.
Aber so eine im besten Sinne stolze, um nicht zu sagen von Freiheit geprägte Aussage traut man dem politischen Berlin einfach nicht mehr zu. Deshalb mögen einige hinter der Entscheidung nur den protestantischen Moralisten im höchsten Staatsamt sehen, der sich zum obersten Wächter in Compliance-Angelegenheiten aufspielt. Doch selbst wenn: Mit einem eigenen Beispiel einer alten Debatte neuen Schwung geben - das dürfen Bundespräsidenten allemal. Vielleicht kommt dabei tatsächlich heraus, dass sich Politiker wieder auf eine verschüttete Grundregel der Feierkultur verständigen: Wer einlädt, zahlt auch die Rechnung.
Kritiker werden jetzt darauf hinweisen, dass solche Feiern dann ja (mehr) Geld kosten - und zwar das der, o Schreck, Steuerzahler. Doch lieber Rechenschaftspflicht gegenüber Bürgern und knappes Budget für die Politevents als gesponsertes Kuscheln eines Wichtig-Wichtig-Zirkels.
Axel Reimann ist FTD-Redakteur im Kommentarteam.
Moral ist nicht zu kaufen. Entweder man hat sie - oder nicht. Wer sich mit Geld bei seinen Entscheidungen beeinflussen lässt, der hatte schon vorher nicht nur ein monetäres Defizit. Das gilt auch für Bundespräsidenten. Nur weil ein Amtsinhaber seine persönlichen Finanzen mithilfe politischer Positionen durchoptimiert hat, gilt das noch lange nicht für seinen Nachfolger. Dass Gauck nun seinen höheren moralischen Anspruch (an dem niemand in diesem Land zweifelt) damit untermauern will, dass er für sein Sommerfest auf Sponsorengelder aus der Wirtschaft verzichtet, ist weltfremd, unnötig - vor allem unnötig teuer für den Steuerzahler.
Weltfremd ist die Entscheidung, weil Sponsoring nichts anderes als Werbung ist. Wir sind davon jeden Tag umgeben. Wenn Werbung doch so anrüchig ist, hätte man sie dann nicht auch bei der Fußball-EM verbieten müssen - für den "sauberen Sport"? Hätten alle bei der Tour de France auf Doping verzichtet, wenn nicht so viel Sponsorengeld im Topf gewesen wäre? Wohl kaum, wie man aus dem Amateursport weiß.
Werbung hat keine eigene Moral und ist von (fast) allen als notwendiges Übel längst akzeptiert. Häufig lassen wir uns sogar bewusst darauf ein. Wer sich etwa bei Rabattportalen anmeldet, der bekommt mit den Gutscheinen doch nichts anderes als Werbung. Der Preisnachlass, den die Unternehmen gewähren, ist der Preis, den sie für die Aufmerksamkeit des Verbrauchers bereit sind zu zahlen.
Wieso sollten wir, die Steuerzahler, diese Bereitschaft der Wirtschaft, für das Interesse der Menschen zu blechen, nicht nutzen? Dagegen kann nur sein, wer das Geld von Unternehmen an sich schmutzig findet. Sehen wird doch Sponsoring als Möglichkeit, höhere Abgaben von den Firmen für öffentliche Belange zu kassieren. Gegen zusätzliche Unternehmenssteuern wäre, außer den meisten Betroffenen, schließlich in diesem Land kaum jemand. Gerade angesichts der schwierigen Staatsfinanzen.
Ein Sommerfest des Bundespräsidenten ist außerdem keine Sitzung des Bundestags, bei der über die Zukunft des Landes entschieden wird.
Und letztlich würde ein Sponsoringstopp nur das Tor zur nächsten Debatte darüber aufstoßen, wie viel sich der Bundespräsident diese Feier (natürlich zu seiner persönlichen Beweihräucherung, wozu sonst?) hat kosten lassen - bezahlt mit Steuergeldern, die auch die einfache Kassiererin aus Idar-Oberstein, die wohl nie nach Berlin kommen wird, aufbringen muss. Lieber Herr Gauck, bitte verlangen Sie dann doch direkt ein Eintrittsgeld von den Leuten, die unbedingt mit Ihnen feiern wollen.
Bernd Hops ist Redakteur im Unternehmensressort.
Wie man sieht,erledigt es sich von ganz alleine.Votec hat sich als Privatsponsor gemeldet,oder habe ich mich verlesen?Ich habe schon viel Bockmist in den Letzten Monate gehört,aber das ist wieder mal eine Spitzenmäßige übertrumpfung.Die dafür zuständigen stellen brauchen nur ihre Klebrigen Finger von den Spenden lassen.