In Deutschland tobt ein Streit über die neue Gebührenordnung für Zahnärzte. Die Kassen warnen vor einem rasanten Anstieg der Kosten und gesetzlich Versicherte müssen eine höhere Eigenbeteiligung fürchten. FTD.de erklärt die Konfliktlinien.
von Thomas SteinmannBerlin
Auf offener Bühne streiten Gesundheitsministerium, Zahnärztekammer und Krankenkassen über eine Reform der Gebührenordnung für die 66.000 Zahnärzte in Deutschland. Die Kassen, die vergangenes Jahr 11,9 Mrd. Euro für Zahnarztbehandlungen ausgegeben haben, warnen vor einer drastisch höheren Selbstbeteiligung der gesetzlich Versicherten beim Zahnersatz durch die Reform. Versicherte und Opposition sind alarmiert. Die FTD beantwortet die wichtigsten Fragen.
Das Honorarsystem basiert auf zwei verschiedenen Regelwerken. Für gesetzlich Versicherte gilt der Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA). Die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) regelt die Bezahlung für Privatpatienten sowie für Kassenpatienten, die Leistungen in Anspruch nehmen, die die Kassen nicht oder nur teilweise abdecken.
Bei Kronen und Brücken zahlen die gesetzlich Versicherten rund zwei Drittel der Behandlungskosten aus eigener Tasche. Grundsätzlich erfolgt die Berechnung der Honorare über ein Punktesystem.
Dabei hat der Zahnarzt nach der GOZ einen gewissen Spielraum bei der Wahl eines Steigerungsfaktors, der den Zeitaufwand und den Schwierigkeitsgrad einer Behandlung berücksichtigt.
Anlass ist die von der Bundesregierung geplante Reform der GOZ, die 2012 in Kraft treten soll. Bei der ersten Neuregelung seit 23 Jahren sollen nicht nur rund 20 neue Posten für Behandlungen und Diagnoseverfahren aufgenommen werden, die seit 1988 eingeführt wurden.
Nach dem Willen von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sollen durch Anpassungen beim Punktesystem auch die Zahnarzthonorare im Schnitt um rund sechs Prozent steigen. Die Verbände der Krankenkassen fürchten dagegen, dass sie sogar um bis zu 20 Prozent zulegen könnten, wenn die Zahnärzte die Möglichkeiten des Steigerungsfaktors ausreizen.
Laut dem Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums für die Gebührennovelle kommen auf Privathaushalte mit 162 Mio. Euro im Jahr die größten Belastungen zu. Danach folgen die privaten Krankenversicherer mit 113 Mio. Euro.
Für Aufregung sorgen vor allem Berechnungen der Kassen, wonach gesetzlich Versicherte beim Zahnersatz künftig deutlich mehr zuzahlen müssen. Von 74 Euro Mehrkosten für eine Voll- und 237 Euro für eine Teleskopkrone spricht der Vizechef des Verbands der gesetzlichen Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg.
Zahnärztevertreter weisen die Berechnungen der Kassen als Panikmache zurück. Das "Schüren von Ängsten für die Gesamtbevölkerung" sei unverantwortlich, sagte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Peter Engel.
Auch das Gesundheitsministerium nannte die Zahlen "nicht nachvollziehbar". Minister Bahr versicherte, die Regierung werde dafür sorgen, dass die Versorgung für die Patienten bezahlbar bleibe.
Kassen und Opposition forderten dagegen Änderungen am Entwurf für die neue Gebührenordnung. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Bahr Klientelpolitik und eine "Hotelsteuer für Zahnärzte" vor. Unterstützung für die Novelle kam aus der CDU.
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