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Merken   Drucken   21.02.2006, 10:05 Schriftgröße: AAA

Gefahr durch Viren wächst  

Seuchenexperten erwarten, dass der Vogelgrippeerreger eines Tages die Fähigkeit erreichen könnte, sich von Mensch zu Mensch auszubreiten. Damit wäre das H5N1-Virus nicht die erste Krankheit, die sich vom Tier auf den Menschen überträgt. von Clive Cookson, St. Louis
Wie durch Genveränderung neue Grippeviren entstehen   Wie durch Genveränderung neue Grippeviren entstehen
38 Krankheitserreger haben nach einer jüngst veröffentlichten Studie in den vergangenen 25 Jahren diesen Sprung geschafft. Diese Zahl liegt deutlich höher als in der Vergangenheit. Nach Angaben des Epidemiologen Mark Woolhouse von der Universität Edinburgh sind insgesamt 1400 Erreger, die beim Menschen Krankheiten verursachen, bekannt. 800 von ihnen hätten sich zunächst in Tieren entwickelt, der Großteil davon vor vielen Jahrtausenden.
Nach Angaben von Woolhouse erreichen jährlich ein bis zwei Krankheitserreger die Fähigkeit, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. "Gemessen an Evolutionszeitplänen scheint das kein dauerhafter Zustand zu sein. Ansonsten wären wir von Keimen überflutet", sagte der Forscher. Als möglichen Grund für den schnellen Zuwachs der Erreger sieht Woolhouse den veränderten Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, beispielsweise die Abholzung der Regenwälder und die Zunahme des weltweiten Reiseverkehrs.
Zwei Drittel der Krankheitserreger, die in jüngerer Vergangenheit den Menschen befallen haben, seien RNA-Viren, fügte Woolhouse hinzu. Diese Virusart ist genetisch sehr flexibel und mutiert schnell. Dadurch kann sie leicht auf neue Wirte überspringen. Zu den RNA-Viren gehören das Grippevirus, aber auch HIV und Sars.
Konfrontation mit immer neuen Keimen
"Das menschliche Umfeld wird sich vermutlich weiterhin so verändern, dass es das Auftauchen neuer Krankheitserreger begünstigt", sagte der Wissenschaftler. Daher müsse man auf absehbare Zeit damit rechnen, immer wieder mit neuen Keimen konfrontiert zu werden. "Wir müssen das Unerwartete erwarten und sicherstellen, dass es eine effektive Überwachungsarbeit gibt", sagte Woolhouse.
Nach Einschätzung von Nina Marano, Spezialistin für neue Krankheiten beim US-Seuchenkontrollzentrum CDC, hängen wirksame Gegenmaßnahmen von einer verbesserten Zusammenarbeit von Human- und Tiermedizinern ab. Marano forderte eine bessere Einbindung der Tierärzte: "Veterinäre sind dafür ausgebildet, ausbrechende Krankheiten in Herden zu bekämpfen, während Humanmediziner üblicherweise mit einzelnen Patienten arbeiten."
Die meisten neuen Krankheitserreger, die auf Menschen übertragen werden, verursachen relativ wenige Todesfälle. Das jüngste Beispiel für einen neuen Krankheitserreger, der Millionen von Menschen getötet hat, ist Aids. Viele Experten nehmen an, dass die Vogelgrippe die nächste große Krankheitswelle sein wird. Einigkeit besteht aber nicht. "Ich schätze, dass irgendetwas anderes vor der Vogelgrippe auftreten wird", sagte Alan Barrett von der Universität Texas. "Es gibt immer wieder Überraschungen."

Von Tier zu Mensch
Viren Epidemiologen kennen insgesamt 1400 verschiedene Erreger, die bei Menschen Krankheiten verursachen können. 800 von ihnen haben sich zunächst in Tieren entwickelt.
Infektion Im vergangenen Vierteljahrhundert haben 38 Krankheitserreger den Sprung vom Tier auf den Menschen geschafft. Diese Zahl ist deutlich höher als in der Zeit zuvor.
  • Aus der FTD vom 21.02.2006
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