Finanzkrise? Werksferien? Auftragseinbruch? "Panikmache", sagt Elisabeth Frankl, Mitarbeiterin beim Waffenhersteller Heckler & Koch. "Ich komme kaum raus vor Arbeit." Angst? "Klar haben wir Angst", sagt Hüseyin Besli vom Automobilzulieferer Modine. "Aber wir haben keine andere Wahl."
Die IG Metall hat eingeladen, und sie sind gekommen: 5000 Metaller bevölkern das Karlsruher Kongresszentrum, rote Kappen, Trillerpfeifen und Banner färben die riesige Halle ein. Die Stimmung ist gut. Und trotzig. Denn die Gewerkschaft hat ein Problem: Sie, die größte, die stärkste, die beste aller Gewerkschaften fordert acht Prozent mehr Lohn für die 3,6 Millionen Beschäftigten - und muss zugleich mit ansehen, wie die beste, größte, stärkste Branche - die Automobilhersteller - wie nie zuvor einbricht und eine Warnmeldung nach der anderen durch die Gazetten jagt. Die Arbeitgeber haben offenbar alle Argumente auf ihrer Seite.
Schon fast verzweifelt spulen die Gewerkschaftschefs dieser Tage ihre Sicht der Dinge ab: Die längeren Werksferien bei Daimler "sind lange geplant", sagt der baden-württembergische Bezirksleiter Jörg Hofmann. Manche Firma strotze vor Kraft. "Teilweise sind die Bücher bis 2013 voll." Eine Pause schade bei den vollen Überstundenkonten nicht, sagt er. Zudem gebe es immer noch wachsende Märkte, in Russland und im Nahen Osten. Und es gebe doch eine ganze Palette Maßnahmen, um mit Schwierigkeiten umzugehen: "Damit können Kapazitäten um 20 Prozent hoch- oder runtergefahren werden", sagt Hofmann.
Betriebsbedingte Kündigungen muss die Belegschaft bei
Daimler ,
BMW , Audi sowieso nicht fürchten - allein in der Autobranche gibt es 40 Tarifverträge mit Beschäftigungssicherung. Also bitte: "Ordentlich Entgelterhöhungen sind das beste Konjunkturprogramm für unser Land!", so Hofmann.
Wo soll man denn streicken?
Was der Arbeitgeberverband Gesamtmetall unter "ordentlich" versteht, könnte Donnerstag bekannt werden. Im Südwesten startet die dritte Verhandlungsrunde, es könnte ein Angebot geben. "Eins, das keine Freude machen wird", kündete Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser kürzlich an. Und am 1. November, grollt die IG Metall, starten die Warnstreiks. "Natürlich bereiten wir Streiks vor!", ruft Hofmann in Karlsruhe.
Nur wo? Den Automobilkonzernen käme eine von der IG Metall bezahlte Zwangspause gerade recht. Also müssen andere Betriebe bestreikt werden. Nur haben die bei Verhandlungen bislang herzlich wenig zu sagen. Es ist wie verhext. Auch in der Karlsruher Halle. Minuten nach dem Event ist sie leer. Der KSC spielt gegen Schalke - 0:3.