Kurt Beck (l.) und Matthias Platzeck
Auf die Frage, wer denn nun nach dem Rückzug Franz Münteferings neuer Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden solle, sagte Thüringens SPD-Landeschef: Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck und sein rheinland-pfälzischer Amtskollege Kurt Beck seien "sehr gute Leute, die diese Aufgabe übernehmen können".
Die Entscheidung Münteferings am Montagnachmittag kam für fast alle in der Partei völlig überraschend. Niemand hatte am Morgen damit gerechnet, dass der absehbar starke Mann einer absehbaren großen Koalition am Nachmittag nicht mehr der starke Mann der SPD sein würde. Sofort nach Bekanntwerden der Nachricht schossen die Spekulationen ins Kraut: Wer wird auf dem Parteitag vom 14. bis 16. November in Karlsruhe zum neuen Parteichef gewählt? Die Bitte Münteferings, mit Personalspekulationen doch bitte noch einen Tag zu warten, blieb unerfüllt. Am Mittwochabend, so Müntefering, werde das SPD-Präsidium, der engste Führungszirkel, voraussichtlich entscheiden, wen die Partei Mitte November zu ihrer neuen Leitfigur wählen soll.
Doch Matschie hat sie schon genannt, die beiden Topfavoriten für die Nach-Münte-Ära. Platzeck, dem 51-jährigen Karriere-Ossi aus Potsdam, räumen die meisten seiner Parteifreunde die größten Chancen ein. Auf die Frage, ob er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, sagte Platzeck, der an der denkwürdigen Sitzung am Montag teilgenommen hatte: "Ich habe mich vor Verantwortung noch nie gedrückt." In den Ohren der ihn umlagernden Journalisten klang das bereits wie eine Bewerbung für den Parteivorsitz. Bisher war nur geplant, dass Platzeck in Karlsruhe zu einem der stellvertretenden SPD-Parteichefs gewählt wird.
Beförderungsangebote ausgeschlagen
Platzeck gilt seit langem als hoffnungsvolle Nachwuchskraft in der SPD. Dabei hatte er seine Karriere nach dem Mauerfall als Grüner gestartet. Platzeck wurde 1990 grüner Umweltminister im ersten Kabinett Manfred Stolpes. Nur weil er die Fusion der ostdeutschen Bürgerbewegungen mit den westdeutschen Grünen ablehnte, wechselte der Parteilose 1995 nach einiger Bedenkzeit zur SPD. 1998 wurde Platzeck Potsdamer Oberbürgermeister, 2002 Nachfolger Stolpes als Ministerpräsident. Seitdem moderiert der studierte Ingenieur eine große Koalition.
Mehrfach schlug Platzeck danach Beförderungsangebote des Bundeskanzlers aus, der ihn gerne längst im Kabinett gesehen hätte. Zuletzt gab Platzeck Müntefering vor einigen Wochen einen Korb, als der ihm den Außenministerposten anbot. Er wolle lieber seiner Verantwortung in Brandenburg nachkommen, lautete stets die Antwort des Potsdamers.
Die Körbe, die er verteilt hat, haben sicher dazu beigetragen, den von vielen herbeigesehnten Generationswechsel an der Parteispitze zu verzögern. Doch Platzeck stünde nach wie vor für diesen Generationswechsel. Beck dagegen wäre eher eine Übergangslösung. Der 56-Jährige ist seit über zehn Jahren Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Er führt dort die letzte noch verbliebene sozial-liberale Koalition aus SPD und FDP.
Der Mann ist beliebt und ausgleichend, kann jedoch Parteitage nicht so sehr in Wallungen bringen wie Platzeck - oder auch Sigmar Gabriel. Auch dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten werden Chancen auf den Parteivorsitz eingeräumt, allerdings sind dies eher Außenseiterchancen. Das Manko des charismatischen 45-Jährigen ist, dass er sein Talent in der Praxis bisher kaum unter Beweis stellen konnte.