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Merken   Drucken   31.08.2011, 21:39 Schriftgröße: AAA

Gescheitertes Experiment: Achselschweiß verwirrt Nacktscanner

Körperscanner werden an deutschen Flughäfen vorerst nicht eingeführt. Denn im Feldversuch musste jeder zweite Passagier in eine unnötige Nachkontrolle. Häufigster Grund für Fehlalarm: Achselschweiß.
© Bild: 2010 reuters
Körperscanner werden an deutschen Flughäfen vorerst nicht eingeführt. Denn im Feldversuch musste jeder zweite Passagier in eine unnötige Nachkontrolle. Häufigster Grund für Fehlalarm: Achselschweiß. von Friederike von Tiesenhausen  Berlin
Alarm, Alarm, immer wieder gelbe Warnzeichen. Bei zwei Dritteln aller freiwillig gescannten Passagiere schlagen die Körperscanner an. Wollen tatsächlich so viele Sprengstoff an Bord schmuggeln? Den Beamten beim Testlauf der neuartigen Geräte am Hamburger Flughafen wird schnell klar, dass etwas nicht stimmt. Nur bei insgesamt 15 Prozent der Fluggäste findet sich schließlich auch dort, wo die Scanner etwas vermuten, ein Gegenstand. Bei den anderen wird die "händische Nachkontrolle" - so heißt das Abtasten im Behördensprech - zunehmend unangenehm. Denn immer wieder werden die Achselhöhlen als verdächtig markiert. Doch da finden die Beamten keine Bomben, höchstens Stinkbomben. Die Scanner haben sich vom Achselschweiß narren lassen.
Flugpassagiere müssen sich in Deutschland vorerst nicht von einem der umstrittenen Körperscanner durchleuchten lassen. Dies hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nach Abschluss der zehnmonatigen Testphase am Hamburger Flughafen entschieden. "Mit den Körperscannern sind wir auf dem richtigen Weg, aber für einen flächendeckenden Einsatz ist es noch zu früh", heißt es dazu in Sicherheitskreisen.
Aus Sicht des Bundesinnenministeriums arbeitet die Software der Geräte noch zu ungenau. Hauptproblem: Die Scanner können nicht mit "Feuchtigkeit in den Achselhöhlen" umgehen. Auch "Faltenwurf in der Kleidung" oder einfache Knöpfe verwirren die Maschinen zu häufig. Das Ministerium hat der amerikanischen Herstellerfirma L-3 daher die Aufgabe gesetzt, möglichst bald ein besseres Programm zu schreiben.
Ein Sicherheitsbeamter überprüft auf dem Hamburger Flughafen das ...   Ein Sicherheitsbeamter überprüft auf dem Hamburger Flughafen das angezeigte Bild eines Körperscanners.
Für die Behörden drängt die Zeit. Denn Körperscanner können auch Plastiksprengstoff und Keramikmesser finden. Die normale Torsonde schlägt nur bei Metall an. Schon heute gibt es eine allseits bekannte Sicherheitslücke - seit mindestens anderthalb Jahren. An Weihnachten 2009 versuchte ein als "Unterhosenbomber" bekannter Nigerianer, eine Delta-Airlines-Maschine über Detroit in die Luft zu jagen. Dazu hatte er Plastiksprengstoff in seiner Unterhose an Bord geschmuggelt.
Doch die Fehlerquoten im Hamburger Feldversuch waren gigantisch. Bei 31 Prozent der Passagiere - die Kontrolle ist freiwillig - schlugen die Scanner nicht an. Nachkontrollen an Stichproben ergaben, dass das berechtigt war. Bei satten 69 Prozent wurde hingegen Alarm ausgelöst, doch nur bei insgesamt 15 Prozent ließ sich dann ein Gegenstand finden. Bei fünf Prozent der Passagiere gab es einen unklaren Befund und bei 49 Prozent handelte es sich um einen unnötigen Alarm. Anders ausgedrückt: Jeder zweite der mehr als 800.000 getesteten Passagiere musste in eine unnötige Nachkontrolle.
"Wenn die Fehlerquote stimmt, kommen die Körperscanner auch in der Fläche", heißt es in Sicherheitskreisen. Das Unternehmen dürfte nun unter Hochdruck nachbessern, winkt doch ein Großauftrag. Derzeit gibt es an deutschen Flughäfen insgesamt rund 250 sogenannte Torsonden, durch die Passagiere beim Sicherheitscheck laufen müssen. Ein Körperscanner kostet zwischen 110.000 und 130.000 Euro. So dürfte sich allein die Gerätebeschaffung auf rund 30 Mio. Euro belaufen. Allerdings ist der Bund nicht für alle Flughäfen verantwortlich, einige werden durch die Bundesländer abgedeckt.
Die EU will noch in diesem Jahr Körperscanner als zulässiges Überwachungsinstrument erlauben. Auf deutsches Drängen sollen dabei nur Geräte zugelassen werden, die mit Millimeterwellen arbeiten - wie die in Hamburg getesteten Körperscanner. Geräte mit Röntgenwellen, wie sie zum Beispiel Großbritannien ausprobiert, lehnt die Bundesregierung ab - zum einen aus gesundheitlichen Gründen und zum anderen, weil solche Geräte nicht mit Piktogrammen arbeiten und so eine Art Nacktbild des Passagiers darstellen.
  • Aus der FTD vom 01.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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