Die Neonazis zur Last gelegte Mordserie erschüttert Deutschland. Behörden nehmen weitere mutmaßliche Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle ins Visier - und vermuten ein Unterstützernetzwerk dahinter.
Im Zusammenhang mit der Zwickauer Neonazi-Zelle suchen die Behörden offenbar weitere Komplizen und Unterstützer. Die Bundesregierung will als Reaktion ein gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus einrichten. Dort solle zunächst die Arbeit des Bundeskriminalamtes und des Bundesverfassungsschutzes besser verzahnt werden, kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nach dem Krisengipfel zur Neonazi-Affäre in Berlin an. Mit den Ländern solle beraten werden, inwieweit sie sich ebenfalls in das Zentrum einbringen könnten. Das gelte auch für die Bundesanwaltschaft.
Am Rande des Gipfels sickerte aus Teilnehmerkreisen durch, dass die Terrorzelle aus Zwickau möglicherweise größer ist als bekannt. Auf die Frage, ob es zusätzlich zu den beiden bereits in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen Holger G. und Beate Zschäpe zwei Beschuldigte gebe, sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Freitag in Berlin: "Zwei plus zwei."
Gegen zwei der vier Verdächtigen liege mehr vor, sie würden bereits als Beschuldigte geführt, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Das bedeutet, dass gegen sie formell ermittelt wird. Weitere Personen würden überwacht, hieß es. Details habe Range aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.
Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) profitierte das Trio möglicherweise von einem Unterstützer-Netzwerk. Das sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke bei der Pressekonferenz nach dem Krisengipfel. Die Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), aus denen das mutmaßliche Mördertrio stammte, habe zeitweise 170 oder 180 Mitglieder gehabt. "Das kann auf ein Netzwerk hinauslaufen."
Sonderplenarsitzung im Bundestag
Bereits am Montag soll der Innenausschuss des Bundestages in einer Sondersitzung über Konsequenzen aus den Vorfällen und möglichen Versäumnissen der Behörden beraten. Für Dienstag wurde nach Angaben des Sprechers der Unionsfraktion eine Sonder-Plenardebatte angesetzt.
Hintergrund der Diskussion sind mindestens zehn Morde vorwiegend an türkischen Kleinunternehmern, die der Zwickauer Neonazi-Zelle zu Last gelegt werden. Der offenbar rechtsextremistische Hintergrund der Mordserie zwischen 2000 und 2007 kam erst ans Licht, als Anfang November zwei Mitglieder der Zelle in einem Wohnmobil in Eisenach Selbstmord begingen und später in ihrer Zwickauer Wohnung Tatwaffen entdeckt wurden. Ein mutmaßliches Mitglied und ein mutmaßlicher Komplize sitzen in Untersuchungshaft.
Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus hatte die Bundesregierung bereits 2004 ein gemeinsames Terrorabwehrzentrum in Berlin eingerichtet. Dort tauschen die Polizeien und Geheimdienste von Bund und Ländern sowie die Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Migration ihre Erkenntnisse aus.
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