"Wesentliche Teile unserer Wirtschaft wie Einzelhandel und Handwerk sind auch auf kaufkräftige Nachfrage angewiesen", sagte Glos in einem Interview der "Bild"-Zeitung. "Die Menschen müssen deshalb für gute Arbeit gutes Geld verdienen und es dann auch ausgeben können." In den anstehenden Tarifverhandlungen dürften "nicht allein Kosten, Shareholder-Value und Aktionärsinteresse eine Rolle spielen".
In die umgekehrte Richtung gehen die Vorschläge von BDI-Präsident Jürgen Thumann. "Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten eine beispiellose pauschale Verkürzung der Arbeitszeit erlebt", sagte Thumann in Berlin. Durch eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ließe sich die Wettbewerbssituation der Unternehmen verbessern.
Dazu bedürfe es "passgenauer Lösungen für jedes einzelne Unternehmen". Hier seien in erster Linie die Tarifparteien gefordert. Die jährlich geleisteten Arbeitsstunden lägen insbesondere in der Industrie Westdeutschlands deutlich unter dem international üblichen Niveau. Gleichzeitig seien Unternehmen und Investoren in Deutschland nach wie vor mit Arbeitskosten konfrontiert, die im weltweiten Vergleich im Spitzenfeld liegen, bemängelte Thumann.
Vor der Metall-Tarifrunde kritisierte Thumann zudem die Forderung der Gewerkschaft nach fünf Prozent Lohnerhöhung als kontraproduktiv. Dies würde viele Unternehmen überfordern und den Verlagerungsdruck ins Ausland erhöhen. Ziel der Tarifrunde 2006 müsse es vielmehr sein, Arbeit in Deutschland zu halten.