FTD.de » Politik » Deutschland » Westerwelle warnt vor "spätrömischer Dekadenz"
Merken   Drucken   11.02.2010, 10:12 Schriftgröße: AAA

Hartz-IV-Debatte: Westerwelle warnt vor "spätrömischer Dekadenz"

Am Ende zahlt der Steuerzahler - mit diesem Motto greift der FDP-Vorsitzende in die Diskussion um das Hartz-IV-Urteil ein. Statt eine Verteilungsdebatte zu führen, gelte es, die Mittelschicht zu entlasten. Sonst drohe Deutschland das Schicksal des Römischen Reiches.

Die Diskussion über das Karlsruher Urteil trägt nach Ansicht von FDP-Chef Guido Westerwelle  "sozialistische Züge". "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern", schreibt der Außenminister in einem Gastbeitrag für die "Welt". Stattdessen gelte es, die Leistungen des Steuerzahlers in den Mittelpunkt zu rücken.

FDP-Chef Westerwelle   FDP-Chef Westerwelle

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Berechnung der Hartz-IV-Sätze verstärkte die Zweifel an den geplanten Steuersenkungen der schwarz-gelben Koalition. Dabei lässt die Karlsruher Entscheidung die Höhe der Regelsätze offen. Daran klammern sich die Befürworter der Steuerpläne, die wegen der schwierigen Haushaltslage ohnehin mit einem Fragezeichen versehen sind. Mehrausgaben scheinen nach dem Urteil unvermeidlich, vor allem für Kinder und Jugendliche.

Westerwelle will trotzdem die nach seiner Ansicht vernachlässigte Mittelschicht entlasten. "Dieses Umsteuern ist für mich der Kern der geistig-politischen Wende, die ich nach der Diskussion über die Karlsruher Entscheidung für nötiger halte denn je", schreibt er. In Deutschland habe man zu lange die Verteilung optimiert und darüber vergessen, wo Wohlstand herkomme. "Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung."

Während Westerwelle seine Steuerpolitik verteidigt, plädiert CSU-Chef Horst Seehofer  für eine Generalrevision der Arbeitsmarktreformen der früheren rot-grünen Koalition unter Gerhard Schröder (SPD). "Was damals nächtens im Vermittlungsausschuss zusammengezimmert wurde, ist absoluter Murks", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Für ihn gehören zu einer Überarbeitung die Jobcenter einschließlich der Kostenaufteilung zwischen Bund und Kommunen, die Zuverdienstmöglichkeiten und die Anhebung der Schonvermögen für Empfänger des Arbeitslosengeldes II.

Nötig seien auch striktere, bundesweit einheitliche Sanktionsregeln für Leistungsempfänger, die eine angebotene und zumutbare Arbeit ablehnten, sagte der CSU-Chef. Wenn man dies wolle, sei eine Einigung bis zum Jahresende zu schaffen. Höhere Belastungen für den Haushalt hält Seehofer bei der Neuberechnung der Regelsätze für möglich. "Rechnen muss man damit, vor allem bei den Kindern", sagte er.

  • FTD.de, 11.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler