FTD.de » Politik » Deutschland » Viel Eigenlob, keine Ideen
Merken   Drucken   21.11.2012, 21:34 Schriftgröße: AAA

Haushaltsdebatte: Viel Eigenlob, keine Ideen

Diese Bundesregierung sei die erfolgreichste "seit der Wiedervereinigung" - Angela Merkel verteilte im Bundestag viel Lob, überzeugte aber nicht. Lösungen zur Konjunktureintrübung 2013? Fehlanzeige. Herausforderer Steinbrück weist zu Recht auf die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit hin.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Wolfgang Kumm
Leitartikel Diese Bundesregierung sei die erfolgreichste "seit der Wiedervereinigung" - Angela Merkel verteilte im Bundestag viel Lob, überzeugte aber nicht. Lösungen zur Konjunktureintrübung 2013? Fehlanzeige. Herausforderer Steinbrück weist zu Recht auf die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit hin.

Es war ein bisschen so wie die große "Danke"-Tournee der Kanzlerin bei der Generaldebatte zum Haushalt 2013 am Mittwoch im Bundestag. Danke an Wolfgang Schäuble, der sich mit seinen Finanzministerkollegen in Brüssel die Nacht um die Ohren geschlagen hat, aber auch danke an den Koalitionspartner FDP - und natürlich auch an die Soldaten in Afghanistan.

Und wie es sich für einen selbstbewussten Bühnenstar gehört, durfte natürlich auch ein kräftiges Danke an die eigene Adresse nicht fehlen: "Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung." Punkt. Und damit wäre auch die Kanzlerin die erfolgreichste Regierungschefin seit 1990 - erfolgreicher als Gerhard Schröder und, auch das, erfolgreicher als Helmut Kohl.

Nur: So viel Eigenlob bei einer Haushaltsdebatte klingt wenig überzeugend. Zwar steht Deutschland im innereuropäischen Vergleich ganz gut da, was die geringe Arbeitslosigkeit und die hohen Steuereinnahmen angeht. Aber die guten Rahmenbedingungen werden nicht zu einem stärkeren Abbau des Defizits genutzt. Der Bund will 2013 mehr als 17 Mrd. Euro neue Schulden aufnehmen. Für eine bisher vergleichsweise rosige Zeit, in der die Auftragsbücher der deutschen Industrie voll sind und die Einnahmen des Staates nur so sprudeln, ist das noch immer zu viel.

Die Konjunktur wird sich - nach allen Prognosen - 2013 deutlich eintrüben. Die Euro-Krise und die schwächelnde Weltwirtschaft setzen der Industrie zu. Es ist die Aufgabe der Regierungschefin, in Anbetracht dieser sich verdüsternden Aussichten Lösungswege zu benennen. Das aber macht Merkel zu wenig: An welchen Stellen soll denn gespart werden, wenn an anderen Stellen kräftig ausgegeben wird - das Betreuungsgeld zum Beispiel.

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat in der Generaldebatte zu Recht auf diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Finanzplanung der Bundesregierung hingewiesen. Er warf Merkel "Palaver statt Lösungen" vor. Wobei man einwenden könnte: Auch Steinbrück hat nichts Konkretes vorbringen können. Allerdings, das muss er als Oppositionskanonier auch nicht. Steinbrücks Motiv war, in der Kontroverse um Nebeneinkünfte und den geschassten Onlineberater wieder als Kanzlerkandidat wahrgenommen zu werden. Das ist ihm im Kern gelungen.

Die wichtigste Frage aber blieb in der Debatte weiter unterbelichtet: Welche Risiken könnten auf die deutschen Steuerzahler bei der Griechenland-Rettung noch zukommen? Wegen der schwächeren Konjunktur soll Griechenland zwei Jahre mehr für das Erreichen der Sparziele bekommen. Das kostet Geld, und es wäre gut, wenn die Kanzlerin hier endlich Farbe bekennen würde.

  • Aus der FTD vom 22.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 22.11.2012 05:02:12 Uhr   Hans: Eigenlob Frau Merkel

    Das erfolgreichste ausschlachten der Bürger ist vollendet. Super

  • 21.11.2012 23:46:29 Uhr   K.S.: Ohne Einnahmen kein Geld
  • 21.11.2012 20:16:08 Uhr   MrB: Märchentante Merkel
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler