Während des Fernsehduells zwischen Bundeskanzler Schröder und Angela Merkel
Schröder soll auf die Frage nach der Verschuldung im Bundeshaushalt antworten und nennt erst die Schulden, die unter Helmut Kohl aufgenommen wurden. Dann gerät er ins Stocken, murmelt etwas vom Ende der Zeit, bis er sich über ein paar Ähs dahin rettet, dass es um die Neuverschuldung bis Ende 2006 geht. Hat er daran gedacht, dass er bald nicht mehr Kanzler ist? Oder daran, dass nun alle denken, dass er denkt, dass er bald nicht mehr Kanzler ist?
Merkel jedenfalls hat den besseren Einstieg, lächelt anfangs öfter und gestikuliert stärker. Schröder wirkt angespannt und braucht fast eine halbe Stunde, bis er zu der Form aufläuft, die man aus den letzten Wochen von ihm gewohnt ist. Da hat Ko-Moderator Thomas Kausch schon die Atmosphäre unfreiwillig entspannt, weil er Frau Merkel "Frau Kirchhof" nennt. Um den "Professor aus Heidelberg", wie Schröder Merkels Schatten-Finanzminister Paul Kirchhof nennt, geht es häufig, und Merkel lässt erste Unsicherheiten erkennen. Aber stets sorgt sie für einen ziemlich ausgeglichen Verlauf der Debatte - im Zweifel ohne die gestellten Fragen wirklich zu beantworten.
Heimspiel für beide
Als Schröder beim Thema Familienpolitik zum Schluss über seine Frau Doris redet und über ihr Engagement für seine Politik, wird es schmalzig: "Dafür liebe ich meine Frau." Immerhin verführt er damit Merkel, sich als Frauenpolitikerin zu outen.
Für beide war es eine Art Heimspiel. Bundeskanzler Gerhard Schröder kennt das Studio in Berlin-Adlershof bereits, 2002 hat er dort gegen Edmund Stoiber gepunktet. Herausforderin Angela Merkel zeigt bei der Ankunft vor dem Studiokomplex in Richtung einiger Nachbargebäude: "In der Baracke dort habe ich mein akademisches Leben verbracht", verweist sie auf ihre vorpolitische Vergangenheit in der DDR. Anders als bei vielen Wahlkampfauftritten hat sich Merkel für einen dunklen statt eines pastellfarbenen Blazers entschieden - und ist zumindest kleidertechnisch damit schon auf Augenhöhe mit dem Kanzler.
Große Koalition schwebt durchs Studio
In einem benachbarten Studio hat sich derweil die Politik-Prominenz beider Lager in unterschiedlichen Ecken versammelt und klatscht dem jeweiligen Helden beziehungsweise der Heldin zu. Schröder, der meist kritischer befragt wird, betont immer wieder, dass er weiter regieren wird. Merkel redet von sich häufig schon als Bundeskanzlerin. Und noch etwas fällt auf: Nicht selten konzedieren sich beide gegenseitig, dass sie ja bei vielen Themen schon zusammengearbeitet haben. Bei allem Wahlkampfgetöse über Schicksalswahl schwebt gelegentlich auch die große Koalition durch den Raum. Für die Moderatoren etwas verblüffend wird klar, dass beide bei der Rente derzeit gar keinen besonders dringenden größeren Handlungsbedarf sehen.