FTD.de » Politik » Deutschland » Schwarz-Gelb rennt in die finanzpolitische Sackgasse

Merken   Drucken   22.12.2009, 14:03 Schriftgröße: AAA

Höhere Beiträge: Schwarz-Gelb rennt in die finanzpolitische Sackgasse  

Kommentar In der Koalition wird eifrig über zusätzliche Einnahmen nachgedacht - auch über eine Erhöhung der Sozialabgaben. Die Debatte zeigt, wie sich Union und FDP mit ihrer Finanzpolitik in die Bredouille manövriert haben. Aus dem Dilemma gibt es kein Entrinnen. von Kai Beller 
In der Koalition wird über eine Erhöhung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung nachgedacht. Diskutiert wird, den Arbeitnehmern 4,5 Prozent statt 2,8 Prozent ihres Lohns für die Versicherung abzuziehen. Irgendwoher muss das Geld ja schließlich kommen, das benötigt wird, um die Löcher im Etat zu stopfen. Die Regierung schließt eine Erhöhung nicht aus.

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  • FTD.de, 22.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.12.2009 13:19:42 Uhr   fokus: Politikstil

    Hayek unterscheidet, wenn er über Eliten und Intellektuelle schreibt (1949). Die einen sind für intellektuelle "Second-hand Dealers in Ideas", also Journalisten, Publizisten und sonstige Multiplikatoren, die die Ideen der Think-Tanks und der meinungsführenden Eliten dem „normalen Menschen“ vermitteln und darüber entscheiden sollen, welche Ideen und Meinungen „uns“ erreichen. Wenn diese strategisch (z.B. in Think Tanks = INSM, CHE) ihre Lehre verbreiten und damit auch die Intellektuellen in Medien, Verbänden, Schulen etc. erreichen, werden Politiker und das Volk es bald glauben und danach handeln. Es funktioniert wie das Lippmann (1922) und Hayek beschrieben und erhofft haben. Die anderen sind für ihn “original thinkers”.

    Stellt man eine Utopie auf, dürfe man sich nicht daran stoßen, dass sie heute nicht als “praktisch, sinnvoll und realistisch” angesehen wird. Viele Jahre intellektueller Arbeit müssten vergehen bis man die Früchte der Idee pflücken kann. Heute gilt neoliberale Politik genau als das, nämlich als “praktisch, sinnvoll und realistisch”.

    Was ist an diesem Gesetz "praktisch, sinnvoll und realistisch"? Weder zieht der Trumpf Laffer. Damals ging es um die Senkung des Spitzensteuersatzes von 70 % auf 50 %. Laffer und seine Apologeten sind nicht einmal in der Lage den optimalen Wendepunkt anzugeben. Sie verraten ihn nicht, obwohl sie immer wieder behaupten es gäbe ihn! Auch die '"hohe Abgabenlast" sticht nicht: Natürlich wieder eine Behauptungen ohne Belege, denn die gibt es nicht. Die Multiplikatoren überbieten sich geradezu sich wie Papageien aufzuführen. Deutschland hat die zweitniedrigste Steuerquote in Westeuropa. Sie ist hier mit 23,0% nur 0,2% höher als in der Schweiz.

    Wieso gewinnen Kräfte, wie etwa die FDP oder Wirtschaftsliberale wie Baron zu Guttenberg, die genau die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Linie vertreten, die zur Katastrophe geführt hat, an Zustimmung. Paradoxie der Geschichte oder das Ergebnis von systematischer Meinungsbeeinflussung?

    Für Lippmann (1929, „Public Opinion“) sind „normale“ Menschen in einer Demokratie überfordert. Sie sind nicht in der Lage komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zur durchschauen und deshalb unfähig selbständig eigene politische Ansichten zu entwickeln. Er entwickelte das Konzept einer gelenkten Demokratie. Um die „richtigen“ Meinungen über politische Themen herzustellen, bedürfe es eines inneren Zirkels von Experten, der „den Massen“ unter Einsatz manipulativer Techniken verhilft, komplexe Angelegenheiten zu „koordinieren“. Der „öffentliche Wille“ entsteht nach Lippmann nicht spontan, sonder müsse bewusst und gezielt hergestellt werden. Dazu müsse das Interesse des Einzelnen „transferiert“ werden. Keine „öffentliche Meinung“ stelle sich spontan ein. Jeder politische Konsens, müsse und solle „fabriziert“ werden. Tax me, if you can!

  • 23.12.2009 11:24:59 Uhr   Johny: finanzpolitische Sackgasse
  • 22.12.2009 21:54:27 Uhr   fokus: Politikstil=Verantwortungslosigkeit
  • 22.12.2009 18:48:15 Uhr   Karsten: Offenbarungseid der Dilletanten
  • 22.12.2009 17:22:00 Uhr   Beate: Sozialbeiträge
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