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Merken   Drucken   28.09.2009, 19:10 Schriftgröße: AAA

Horst Seehofer: CSU - Populist auf Bewährung  

Leitartikel CSU-Chef Horst Seehofer muss nach dem desaströsen Wahlergebnis seiner Partei zeigen, dass er mehr kann als starke Sprüche zu reißen. Dazu hat er nicht viel Zeit.
Ein Gutes hat das schlechte Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl: Es zeigt, dass schlichter Populismus keine Wahlerfolge garantiert. Parteichef Horst Seehofer  hatte in den Wochen vor der Wahl kaum ein Feld ausgelassen, um dem vermuteten Wählerwillen nachzulaufen. Er versprach, Bayerns Position in Brüssel zu stärken, er kämpfte gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel für schnelle Steuersenkungen, er stänkerte gegen die FDP. Alles vergebens: Die CSU blieb mit 42,6 Prozent in Bayern noch unter jenem desaströsen Ergebnis, das Seehofers Vorgänger Erwin Huber  nach der Landtagswahl vor einem Jahr den Job gekostet hatte.
Für die neue Koalition in Berlin ist das CSU-Debakel eine gute Nachricht. Seehofer wird sich in den nächsten Monaten in Bescheidenheit üben müssen. Die Kritik an seinem Führungsstil war innerhalb der CSU-Gremien klar und deutlich. Auch wenn sein Doppeljob als CSU-Chef und Ministerpräsident noch nicht in Gefahr ist, steht Seehofer unter scharfer Beobachtung. Seit Sonntag ist er ein Parteichef auf Bewährung.
Dass Seehofer vorerst weitermachen kann, verdankt er vor allem der Tatsache, dass die Partei in weniger als drei Jahren bereits zwei Vorsitzende abgesägt hat. Da scheint ein wenig Kontinuität angesagt. Neben und über Seehofer droht jedoch der alles überragende Schatten des neuen CSU-Stars Karl-Theodor zu Guttenberg. Seinen fulminanten Kurz-Gig als Wirtschaftsminister krönte er am Sonntag mit dem bundesweit besten Erststimmenergebnis. Auch wenn Guttenberg vorerst die Hausmacht fehlt, um Seehofer ernsthaft gefährlich zu werden: Heute ist nicht alle Tage.

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  • Aus der FTD vom 29.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 30.09.2009 23:37:18 Uhr   Sherlock Holmes: Seehofer ist nur noch CSU-Chef auf Zeit, nich...

    Eigentlich hätte Seehofer nach dem noch schlechteren Wahlergebnis als bei der Landtagswahl 2008 vom Parteivorsitz zurücktreten oder zumindest eine "geordnete Nachfolge" ankündigen müssen, wenn er für sich die gleichen Maßstäbe akzeptieren würde, die er bei Huber und Beckstein angelegt hat. Denn die Tatsache des Gewinns aller Direktmandate hatten auch Huber und Beckstein erfüllt, dazu wurden bei der Landtagswahl noch zwei Überhangmandate in Unterfranken (Frau Stamm) und in Schwaben (Frau Merk) gewonnen. Aber Seehofer fühlt sich "papstgleich", hält sich also für unfehlbar. Es sind halt für das schlechte Wahlergebnis "die neuen Strukturen in der Wählerschaft" verantwortlich, nicht sein Versagen in der Behandlung der FDP oder sein durchsichtiger Populismus. Sobald sein zweites nichteheliches Kind geboren worden ist, wird allen Menschen im Bayern klar werden, dass sein Versprechen, "die Familie Seehofer bleibt zusammen", nur Täuschung war, um wählbar zum Parteivorsitz und zum MP zu werden. In Bayern herrscht zwar großer Realitätssinn für die "Wechselfälle des Lebens" vor, so dass an sich auch akzeptiert wird, wenn eine eheliche Lebensgemeinschaft sich einmal nicht als dauerhaft bis zum Lebensende erweist, aber alle Frauen und Männer in Bayern verachten es, wenn ein MP und CSU-Chef seine Ehefrau als "Landesmutter" Theater spielen lässt und seine nichteheliche Beziehung trotz "Rückkehrschwüre" heimlich weiter "pflegt". Das ist kein falsches "Moralisieren", sondern das Einfordern von Echtheit und Konsequenz in der Lebensführung eines "gestandenen Mannes", der die Entscheidung für eine neue Lebensgemeinschaft getroffen hat, aber letztlich zu "feige" ist, diese auch offen zu leben. "Hintenherum" ist keine bayerische Lebensart! Verachtung ist wie Lächerlichkeit für einen Politiker tödlich. Deshalb wird Seehofer 2010 dieses "Doppelspiel" nicht mehr fortsetzen können. Ein zweites "Im Stich lassen" seiner Lebensgefährtin und Mutter zweier nichtehelicher Kinder wird ebenso mit Verachtung gestraft werden, wie ein erneutes "reumütiges Zurückkehren" zur angetrauten Ehefrau nicht geglaubt werden wird. Ein Politiker ohne persönliche Glaubwürdigkeit ist in Bayern "untragbar". Herr zu Guttenberg kann aber nur neuer Parteivorsitzender, nicht auch MP in Bayern werden, weil er noch nicht 40 Jahre alt ist. Man kann gespannt sein, wie sich das Personalkarussell im Jahr 2010 bei der CSU entwickeln wird!

  • 29.09.2009 10:32:35 Uhr   Peter Lyssy: bundestagswahl
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