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  FTD-Serie: Bayern wählt

Bayern hat gewählt: Die in den vergangenen 42 Jahren unbezwingbare konservative Regierungspartei hat eine herbe Schlappe erlitten. Sie wird ohne einen Koalitionspartner nicht regieren können. FTD.de zeigt die Nachwehen der Bayern-Wahl.

Merken   Drucken   14.09.2008, 19:40 Schriftgröße: AAA

Hubers Wahlkampf: Allianz der Außenseiter

Im wichtigsten Wahlkampf seiner Karriere muss CSU-Chef Erwin Huber ohne Hilfe aus Berlin auskommen. Mit Jürgen Rüttgers unterstützt ihn nun einer, der in der Union ebenfalls den Außenseiter gibt. von Nikolai Fichtner (Landshut)
Nach seiner Rede in der Fußgängerzone will Erwin Huber  dem Besucher aus Düsseldorf noch zeigen, warum das Motto der CSU "Näher am Menschen" heißt. Denn wirklich nah sind die Landshuter nicht gekommen, als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers  und Huber per Mikrofon ihre Fußgängerzone beschallt haben. Sie haben 20 Meter Abstand gehalten und sich auf der anderen Straßenseite um eine Parkbank herum versammelt. Darum gibt Huber Rüttgers nun ein Zeichen, dann gehen die beiden langsam mitsamt ihrem Tross auf die Bürger zu, die nun auf der Parkbank bitte schön etwas von ihren Problemen erzählen sollen.
Das Wetter, zu wenig Sportunterricht, nicht genug deutsche Volkslieder im Radio: Die Probleme sind überschaubar in Landshut. Rüttgers hat Touristen aus Nordrhein-Westfalen aufgetan. Und Huber unterhält sich angeregt mit einer Familie aus Niederbayern.
Für Huber selbst sind die Probleme größer in diesen Tagen. Die vergangene Woche begann mit einer Umfrage, nach der die CSU bei der Landtagswahl am 28. September auf 49 Prozent käme. Gleichzeitig nannte Parteivize Horst Seehofer, dem viele in der Partei Ambitionen auf mehr nachsagen, per Interview 52,x Prozent als Maßstab für eine "natürliche Autorität" der Führung. Dann rutschte Ministerpräsident Günther Beckstein am Mittwoch das böse Wort raus: "50 Prozent ist die Messlatte, die wir uns setzen."
Ziel 50 plus x
Huber mag das Wort Messlatte nicht. Spricht man ihn darauf an, reagiert er so, als habe er gerade auf eine Zitrone gebissen. Jetzt nichts Falsches sagen, er könnte später daran gemessen werden. Huber sagt, an dem Ziel 50 plus x habe sich gar nichts geändert. "Dass manche das X schätzen, ist deren Sache." Seehofers 52,x seien ja "keine schlechte Schätzung". Und überhaupt sei Seehofer sehr engagiert: "ein Ass in unserem Wahlkampf".
CSU-Parteichef Erwin Huber will sich nicht messen lassen   CSU-Parteichef Erwin Huber will sich nicht messen lassen
Jeden Tag ist Huber derzeit in Bayern unterwegs. Die CSU treibt so viel Aufwand wie noch nie in einem Wahlkampf. Für die Partei geht es in zwei Wochen um den Mythos 50 plus x, der die Sonderstellung im Bund garantiert. Für Huber geht es ums politische Überleben.
Als er vor einem Jahr den Parteivorsitz übernahm, galt die Arbeitsteilung: Beckstein macht den Landesvater, Huber kümmert sich um die bundespolitische Bedeutung der CSU. Doch genau da liegt das Problem. Huber hat sich zwar einen Namen gemacht, als größte Nervensäge in Sachen Pendlerpauschale und Steuersenkung. Aber er hat es nicht geschafft, einen sichtbaren Erfolg mit nach Hause zu bringen: Bei der Pendlerpauschale wird weiter das Urteil des Verfassungsgerichts abgewartet, und die Steuersätze bleiben, wo sie sind.

Teil 2: Kaum Hilfe aus der CDU

  • Aus der FTD vom 15.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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