Prognosen für den Arbeitsmarkt - eine monatliche Analyse des Ifo-Instituts für die FTD
"Die konjunkturellen Bremsspuren wirken sich nun offensichtlich auch auf die Personalpläne der Unternehmen aus", sagte Ifo-Forscher Hans Russ.
Damit dürfte der Jobboom in Deutschland seinen Höhepunkt vorerst überschritten haben. Ein Ende des Stellenaufbaus zeichnet sich in den Umfragewerten aber noch lange nicht ab. Das Institut befragt jeden Monat rund 7000 Unternehmen aus der Industrie, dem Baugewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel.
Die Ifo-Experten gehen davon aus, dass der Personalaufbau anhält - allerdings weniger dynamisch. Das Barometer sank im Oktober zum zweiten Mal in Folge. Nach 104,9 Punkten im September lag es zuletzt bei 104,3 Zählern. "Der Indikator bleibt auf hohem Niveau", sagte Russ. Im März war er auf einen Rekordwert von 106,8 Punkten gestiegen und seitdem um dieses Niveau gependelt, bevor er im September deutlich nachgab.
Für die gestiegene Vorsicht der Unternehmen macht Russ mehrere Gründe aus: "Die anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die kräftigen Anstiege des Euro sowie der Ölpreise lasten auf der Stimmung." Im verarbeitenden Gewerbe hätten nicht mehr so viele Firmen von einer Ausweitung der Personalpläne berichtet. Das zeigten auch die Befragungen der Einkaufsmanager des Wirtschaftszweigs vom Oktober. Nach Angaben von NTC Research fiel der entsprechende Beschäftigungsindex deutlich von 54,9 auf 52,7 Zähler - das war der niedrigste Wert seit einem Jahr. Mit einem Wert über 50 Punkten signalisierte er ebenfalls einen Jobaufbau mit geringerem Tempo als in den Vormonaten.
Nach Ifo-Angaben zeigten auch die Pläne im Großhandel eine geringere Zunahme der Beschäftigtenzahl an. Im Baugewerbe gehen nach wie vor nur wenige Firmen von zusätzlichen Einstellungen aus. "Der Einzelhandel hat dagegen wieder Mut gefasst", sagte Russ. Die Branche habe ihre Jobpläne etwas angehoben.
Auf einen vorläufigen Höhepunkt beim Personalaufbau im Frühjahr deuten zudem die Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Sie stiegen nach Angaben der Bundesbank im August mit gut zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr zwar noch recht kräftig, allerdings mehr als einen halben Prozentpunkt weniger als im April oder Mai.
Dennoch hat sich die Qualität der neuen Stellen zuletzt deutlich verbessert, wie Alexander Koch von Unicredit in einer Analyse feststellte. "Die Mehrheit der neu geschaffenen Stellen sind mittlerweile nicht nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, sondern Vollzeitjobs", schreibt Koch. Mit zwei Prozent zum Vorjahr legten die bezahlten Arbeitsstunden sogar viel stärker zu als noch im New-Economy-Boom. Damals habe es im Schnitt Zuwächse von einem Prozent gegeben. "Zweifel an der Qualität des Aufschwungs halten wir für unbegründet", urteilt Koch.
Doch auch die Unicredit-Ökonomen blicken verhaltener auf das nächste Jahr. "Das Tempo des Arbeitsplatzaufbaus lässt deutlich nach", so Koch. Nach seinen Berechnungen wird sich der gesamte Jobaufbau im Durchschnitt auf monatlich 20.000 einpendeln, nachdem er in diesem und dem vergangenen Jahr noch bei 40.000 lag. 2008 werde sich der Beschäftigungsaufbau dann mit 200.000 bis 250.000 Stellen im Vergleich zu den 550.000 neuen Jobs in diesem Jahr halbieren.
Trotz der reduzierten Jobpläne berichten die Firmen weiterhin von einem Fachkräftemangel, was nach Ansicht des Ifo-Experten Russ ebenfalls dafür spricht, dass weiterhin neue Jobs entstehen. "Der Anteil der Firmen im verarbeitenden Gewerbe, die im Fachkräftemangel den wichtigsten Behinderungsgrund ihrer Produktion sahen, hat nochmals leicht zugenommen", sagte Russ. Das dürfte erklären, weshalb der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit im Oktober doppelt so stark zugelegt hat wie in den Sommermonaten. "Die Firmen suchten zuletzt verstärkt im Internet neue Mitarbeiter", sagte eine Expertin der BA.
Die reduzierten Jobpläne gingen einher mit einer spürbaren Verlangsamung des Exportneugeschäfts. In der Industrie berichteten im Oktober vor allem Investitionsgüterhersteller von einbrechenden Neuaufträgen aus dem Ausland, heißt es in einer NTC-Analyse - dies hätten "viele Befragte auch mit der Konjunkturschwäche in ihren Exportmärkten" begründet.