Signal zum Angriff: Der IG-Bau-Vorsitzende Klaus Wiesehügel poltert auf dem 19. Gewerkschaftstag in Bonn gegen gewerkschaftsfeindliche Unternehmen
Mit dem Aufbau einer solchen zehnköpfigen Truppe werde man noch dieses Jahr beginnen. Details wolle er nicht verraten, "damit es in zu erwartenden Strafgerichtsprozessen nicht gegen uns verwendet werden kann", sagte Wiesehügel am Mittwoch in seinem Grundsatzreferat des Gewerkschaftskongresses in Bonn.
Der IG-Bau-Chef will mit dem aggressiven Vorstoß das Ruder für seine Gewerkschaft herumreißen: Wie keine andere Arbeitnehmerorganisation hat die IG Bau in den vergangenen Jahren durch eine Krise in der Branche Mitglieder verloren, die Zahl liegt derzeit bei 400.000 Beitragszahlern. Pro Jahr verlassen netto mindestens 20.000 Mitglieder die Gewerkschaft. Hintergrund der Krise in der Branche und damit auch der Gewerkschaft sind neben dem Auftragsrückgang die schwer kontrollierbare Schwarzarbeit und der Einsatz illegaler ausländischer Bauarbeiter besonders auf den großen Baustellen.
Empörung beim ZDB
Der Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Frank Dupré, reagierte empört auf die Ankündigung. "Wenn die Gewerkschaft wirklich mit Eingreiftruppen den Baumarkt bereinigen will, beschwört sie das Ende der Sozialpartnerschaft herauf", sagte er. Die Ankündigung solcher "Wild-West-Methoden" habe ihn besonders entsetzt. "Illegalität kann und darf nicht mit Illegalität bekämpft werden." Wiesehügel solle "endlich seine undifferenzierte Unternehmerbeschimpfung einstellen", sagte Dupré. Die Gewerkschaft solle ihre Kritik auf die schwarzen Schafe beschränken, die Gesetze und allgemein verbindliche Tarifverträge nicht einhielten. Sowohl Boykottaufrufe als auch das unerlaubte Betreten von Betriebsgelände könnten die IG Bau in rechtliche Schwierigkeiten bringen, wenn die Unternehmer dagegen vorgehen.
Als Vorbild für die Eingreiftruppe nannte Wiesehügel die Aktionen amerikanischer Gewerkschaften. "Zimperlich sind die wirklich nicht." In den USA greifen Gewerkschaften Unternehmen wie Wal-Mart mit gezielten aggressiven Kampagnen an, helfen bei der Streikorganisation und mobilisieren Unterstützung. In Deutschland hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit öffentlichen Angriffen gegenüber Lidl bereits ähnliche Aktionen gestartet.
Großer Applaus
Er denke an Boykott- und Aufklärungskampagnen, sagte Wiesehügel. Es ginge darum, Unternehmer zu entlarven, die nach außen eine weiße Weste zeigen, intern aber "nicht vor einem unmenschlichen Umgang mit ihren Arbeitern" zurückschreckten. Unternehmer, die Gewerkschaften aus ihrem Betrieb heraushalten wollen, "sind unsere Feinde. Und Feinde muss man bekämpfen bis hin zur Vernichtung". Für seine Rede erhielt der IG-Bau-Chef von den 300 Delegierten großen Applaus.
Wiesehügel bezeichnete Unternehmen, die sich Praktikanten vermitteln lassen, "ohne sie wirklich jemals ausbilden zu wollen", als "Krisenschmarotzer". "Schindluder mit der Angst der Menschen ist momentan die einzig wirkliche Wachstumsbranche." Er forderte von einer neuen Regierung die Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe und ein Investitionsprogramm für die Kommunen in Höhe von 6 Mrd. Euro jährlich in den kommenden fünf Jahren. Finanziert werden solle es durch eine "unverzinsliche Zukunftsanleihe" bei den Beziehern höherer Einkommen und Kapitalgesellschaften. Ab 55.000 Euro Jahreseinkommen oder Gewinn solle eine Anleihe von einem Prozent dafür gezeichnet werden.
Wiesehügel will auch interne Reformen in seiner Gewerkschaft vorantreiben. Man wolle zum Jahreswechsel ein IG-Bau-Büro in Brüssel eröffnen, um die Interessen der Gewerkschaft dort besser zu vertreten. Gewerkschaftsfunktionäre in Deutschland sollen vor allem in den großen Betrieben mit Betriebsräten Strategien zur Mitgliederwerbung aufstellen und "systematisch abarbeiten". Zudem sollten durch bessere Mitgliederpflege Wert und Funktion der Gewerkschaft vermittelt werden.