Die Tarifpartner in Baden-Württemberg trafen sich am Donnerstagnachmittag in Sindelfingen in der Hoffnung, einen Pilotabschluss mit bundesweiter Vorbildrolle zu erzielen. "Entweder wir bekommen in den nächsten Tagen einen Abschluss - oder wir entscheiden Mitte Mai, ob es einen Arbeitskampf gibt", sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, dem Berliner "Tagesspiegel".
Seine Gewerkschaft werde sich nicht mit einmaligen Konjunkturzuschlägen abspeisen lassen, sondern bestehe auf nachhaltigen, das heißt in der Zukunft fortwirkenden Entgeltverbesserungen, sagte IG-Metall-Chef Jürgen Peters im Deutschlandfunk. "Die Produktivität, zu der ja unsere Arbeitnehmer beigetragen haben, ist keine Eintagsfliege. Sie ist auch nachhaltig, wirkt also dauernd", sagte Peters. Ein Konjunkturbonus wäre "dann immer etwas, was on top ist".
Mehrere tausend Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie hatten am Donnerstagmorgen bundesweit ihre Arbeit niedergelegt. Im Laufe des Tages erwartete die Gewerkschaft mehr als 100.000 Teilnehmer an Warnstreiks. Ein Schwerpunkt der Aktionen sollte nach Gewerkschaftsplanungen am Donnerstag im Südwesten liegen.
In Bayern rief die Gewerkschaft 70.000 Beschäftigte aus 70 Betrieben unter anderem bei BMW , Audi und Siemens zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen auf. In Nordrhein-Westfalen erwartete die IG Metall 40.000 Beschäftigte aus rund 350 Betrieben vor den Werkstoren. Am Mittwoch waren bundesweit rund 100.000 Arbeitnehmer für mehr Geld auf die Straße gegangen.
In den Morgenstunden ließen Hunderte Beschäftigte unter anderem in Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und in Hamburg die Arbeit vorübergehend ruhen. In Stuttgart versammelten sich mehrere Tausend Mitarbeiter von Bosch und DaimlerChrysler vor den Werkstoren. In Gelsenkirchen zogen am Morgen 650 Beschäftigte mehrerer Metallbetriebe zu einer Kundgebung durch die Stadt.
In Hamburg beteiligten sich nach IG Metall-Angaben Mitarbeiter der Frühschicht auf der Werft Blohm + Voss und beim Flugzeugbauer Airbus . Im größten deutschen Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder rief die Gewerkschaft die Mitarbeiter zu einem ganztägigen Ausstand auf.
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat für die Verhandlungen in Sindelfingen am Nachmittag ein verbessertes Angebot angekündigt. Bislang bieten die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung von 2,5 Prozent plus 0,5 Prozent Konjunkturbonus. Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche.
Huber forderte die Arbeitgeber zur Aufbesserung ihres Angebots auf. Er sagte im Bayerischen Rundfunk: "Die Arbeitgeber müssen jetzt schon kräftig etwas draufsatteln. 2,5 Prozent sind schlicht und ergreifend angesichts der wirtschaftlichen Lage, des Aufschwungs, den ja die Leute erarbeitet haben, in keinster Weise akzeptabel." Falls es bei den Verhandlungen nicht zu einem Durchbruch kommt, droht die IG Metall mit Arbeitskampf.