Zu frech für gute Noten: Jungen in der Grundschule
Dies geht aus dem am Montag in Dortmund vorgestellten dritten Band der "Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung" (Iglu) zum Leseverständnis von Viertklässlern hervor. "Jungen werden leicht benachteiligt", sagte der wissenschaftliche Leiter der Iglu-Studie für Deutschland, Prof. Wilfried Bos. Ursache für die besseren Noten der Mädchen sei möglicherweise deren Wohlverhalten.
Mädchen seien zudem zufriedener mit ihrer Schule. So hätten 45 Prozent der 3800 befragten Schülerinnen angegeben, dass sie sehr gern in der Schule seien. Bei den 3800 Jungen waren es nur 32 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es auch beim Lesen in der Freizeit: "Mädchen beschäftigten sich signifikant mehr mit Lesen und Literatur als Jungen."
Langweilige Texte
Jungen lasen zudem deutlich lieber als Mädchen Comics, Gebrauchsanleitungen oder Untertitel auf dem Fernseher. Mädchen bevorzugen dagegen Geschichten, Erklärbücher oder Zeitschriften. Zeitungen lesen Jungen und Mädchen gleich häufig. Bos äußerte sich kritisch zur Auswahl der Literatur im Deutschunterricht: "Vielleicht werden zu viel Texte gelesen, die nicht den Interessen von zehnjährigen Jungen entsprechen."
Die deutschen Grundschullehrer sind der Studie zufolge mit ihrer Arbeit vergleichsweise zufrieden. Zwei Drittel der Schulleitungen berichteten von einem zufriedenen Lehrerkollegium. Noch zufriedener waren demnach nur die Grundschullehrer in Griechenland, Schweden und den Niederlanden. Allerdings werde in deutschen Kollegien im internationalen Vergleich relativ wenig zusammengearbeitet. "Kooperation ist das A und O für guten Unterricht. Da wird sich noch einiges ändern müssen", meinte Bos, der in Dortmund das Institut für Schulentwicklungsforschung leitet.
"Auf Augenhöhe"
Beim Iglu-Nationen-Ranking, das bereits 2003 veröffentlicht worden war, hatte Deutschland bei der Lesekompetenz den elften Platz belegt. Deutsche Grundschüler seien damit "durchaus auf Augenhöhe mit Kindern aus anderen europäischen Ländern", sagte Bos. An der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung hatten Viertklässler aus 35 Staaten teilgenommen.
Eine zweite Iglu-Studie soll im kommenden Jahr in rund 45 Staaten starten, darunter auch erneut in Deutschland. Dabei sollen im April und Mai an 400 Schulen in allen Bundesländern etwa 8000 bis 9000 Schüler getestet werden. Mit ersten Ergebnissen rechnet Bos frühestens für Ende 2007.