Demnach sollen künftig die Herkunftsländer der Studenten die Ausbildung an Hochschulen finanzieren und nicht mehr die Sitzländer der Unis und Fachhochschulen.
Schulabgänger sollten dazu kostenlose Bildungsgutscheine erhalten. Damit würde der Wettbewerb der Länder und der Hochschulen neu ausgerichtet: "Kein Land hätte ein Interesse daran, die Studienplätze zulasten anderer Länder knapp zu halten", sagte Thumann.
Das Modell "Geld folgt Studenten" ist eine alte Forderung der SPD, die allerdings nur von wenigen unionsregierten Ländern wie etwa Sachsen unterstützt wird. Dass sich der BDI nun mit einem konkreten Umsetzungsvorschlag ebenfalls für eine solche Finanzreform stark macht, dürfte die Chancen des Modells durchaus erhöhen. Immerhin werden sich auch die Ministerpräsidenten der Länder bei ihren Verhandlungen zur zweiten Stufe der Föderalismusreform auf Druck der SPD mit dem Thema beschäftigen.
Mit dem neuen Finanzierungskonzept würde zum Beispiel Bayern im Prinzip auch dann das Studium eines Nürnberger Schulabsolventen bezahlen, wenn der Abiturient in Nordrhein-Westfalen studiert. Heute finanziert NRW die Ausbildung eines Bayern, selbst dann, wenn er zurück nach München geht - zum Vorteil Bayerns.
Um die Bürokratie für die Finanztransfers gering zu halten, sieht das Konzept des BDI Bildungsgutscheine vor, die die Studenten an allen Unis und Fachhochschulen in Deutschland einlösen können und für die die Hochschulen wiederum Geld erhalten sollen.
In dem vom Kölner Institut der Wirtschaft (IW) erarbeiteten Konzept würden dazu alle Länder einen bestimmten Betrag in einen neuen Fonds einzahlen. Die Einzahlungen sollen sich an der Zahl der Akademiker in einem Land orientieren - da diese Zahl einen Anhaltspunkt über den tatsächlichen Bedarf an Akademikern liefert. Die Bildungsgutscheine ihrer Studenten könnten die Hochschulen dann bei diesem Fonds wieder zu Geld machen. Darüber hinaus sollen alle Hochschulen Studiengebühren erheben.
Die Verteilungswirkung eines solchen Umbaus ist interessant: Profitieren würden jene Länder, die zwar viele Studenten ausbilden, aber deren Unternehmen gar nicht so viele Akademiker nachfragen. NRW-Hochschulen etwa würden nach der Beispielrechnung des IW über 250 Mio. Euro im Jahr mehr erhalten. Bayern, Brandenburg und Schleswig-Holstein wären dagegen Nettozahler, da sie mehr Akademiker brauchen, als sie selbst ausbilden. Thumann sagte, mit einer solchen Reform hätten die "politischen Verteilungskämpfe zwischen den Ländern" endlich ein Ende.