"Wir gehen nur noch von einem Wachstum in Höhe von 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus", erfuhr Reuters am Freitag aus den Kreisen. Für 2004 wird den Angaben zufolge ein Plus von 1,8 Prozent erwartet. "Das bedeutet aber nicht, dass wir mit einem deutlichen Aufschwung rechnen" hieß es in den Kreisen weiter. Vielmehr liege die Zahl der Arbeitstage 2004 deutlich über der aus 2003. Die Bundesregierung geht derzeit für 2003 noch von einem Wachstum von einem Prozent aus.
In ihrer Herbst-Prognose waren die Wissenschaftler noch von einem Wachstum von 1,4 Prozent für 2003 ausgegangen. Sie hatten damals aber einen Irak-Krieg nicht mit in ihre Berechnungen einbezogen. In der Zwischenzeit hatten die einzelnen Institute ihre Prognose teils deutlich gegenüber der Herbst-Prognose reduziert. Das Prognose-Spektrum lag zuletzt zwischen 0,4 und 0,9 Prozent.
Das "Handelsblatt" berichtete am Freitag vorab unter Berufung auf das Gutachten, durch das geringere Wachstum werde das deutsche Staatsdefizit nach Einschätzung der Institute weniger deutlich als erwartet sinken. So würden nach einem Minus von 76,2 Mrd. Euro im Jahr 2002 für dieses Jahr 73,1 Mrd. und 64,7 Mrd. Euro im Jahr 2004 erwartet. Daraus ergebe sich für 2003 ein Staatsdefizit von 3,4 Prozent und für 2004 von 2,9 Prozent. Im laufenden Jahr werde Deutschland damit, wie schon 2002, das EU-Defizitkriterium von drei Prozent überschreiten. Es gelte in Berlin als sicher, dass die Bundesregierung Ende April ihre Prognose für 2003 halbieren müsse und auch die Vorhersage von 2,25 Prozent für 2004 dürfte nicht mehr zu halten sein, berichtete die Zeitung weiter.
Den weiteren Angaben der Zeitung zufolge würden die Institute trotz des hohen Defizits Steuererhöhungen ablehnen. Vielmehr sollten die für 2004 und 2005 geplanten Steuersenkungen umgesetzt werden. Um das strukturelle Defizit abzubauen, solle der Staat seine konsumtiven Ausgaben deutlich einschränken.