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20.09.2011, 22:10
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Internetkriminalität:
Verfassungsschutz warnt vor chinesischer Industriespionage
Exklusiv
Das elektronischer Ausspähen von Unternehmen durch chinesische Hacker ist weit verbreitet. Politische Appelle an die Adresse Pekings verhallen bisher ungehört. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft ist hoch.
von Friederike von Tiesenhausen Berlin
Trotz aller politischen Appelle nimmt Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen weiter zu. "Es ist nicht zu sehen, dass die Anzahl der Fälle zurückgeht", klagt Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm im FTD-Gespräch. Mittlerweile geht die größte Gefahr von elektronischen Angriffen aus: Dabei versucht ein ausländischer Geheimdienst beispielsweise, über Schadprogramme wie Trojaner an sensible Firmeninformationen zu kommen. "Elektronische Angriffe haben sich aus Sicht der Angreifer bewährt", sagte Fromm. "Von daher nehme ich an, dass sie weiter zunehmen werden."
Der Geheimdienstchef vermied es, Verantwortliche zu benennen. Eine genaue Zuordnung der Urheber von Internetattacken sei schwierig, sagte er. Klar sei nur: "Ein Großteil der Angriffe kommt aus dem ostasiatischen Raum." Sicherheitsexperten gehen jedoch davon aus, dass China hinter den meisten Angriffen steckt. Dies steht so auch explizit im aktuellen Verfassungsschutzbericht: Demnach ist die "überwiegende Zahl der in Deutschland festgestellten elektronischen Angriffe mit mutmaßlich nachrichtendienstlichem Hintergrund auf Stellen in China zurückzuführen".
Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm.
Fromms Zurückhaltung bei der Benennung der Ursprungsländer erklärt sich auch mit der schlechten Erfahrung, die die Bundesregierung mit politischen Appellen an die Führung in Peking gemacht hat. Kritik an der Ausspähung von deutschen Unternehmen und an Hackerangriffen auf deutsche Behörden - etwa bei einem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in China 2007 - verärgerte die Parteibosse und verhallte ungehört.
Stattdessen nehmen die Angriffe zu. Im Verfassungsschutzbericht heißt es dazu: "Kritik aus dem Ausland (...) führte bisher nicht zu einem Rückgang dieser Angriffe. Vielmehr verfeinern die Angreifer ihre Techniken, um die Angriffe zu verschleiern und deren Aufklärung zu erschweren."
Die Achillesferse für elektronische Spionage in Unternehmen ist deren Anbindung ans Internet. "Ausspähversuche über das Internet sind für die Angreifer risikoarm. Sie können weitgehend sicher sein, dass sie nicht als solche identifiziert werden", so Fromm. Die klassische riskante Wirtschaftsspionage, bei der Agenten sich in Firmen einschleusen oder Mitarbeiter bestechen, nehme im Vergleich ab.
Teil 2: Gefährliche Branchen
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FTD.de, 20.09.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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