FTD Ist Atomtechnologie noch eine deutsche Zukunftstechnologie?
Annette Schavan Es darf keine Option außen vor bleiben. Wir werden Kompetenz im Bereich der Kerntechnologie wieder aufbauen müssen. Bei der Frage der Reaktorsicherheit ist jetzt das erste Programm für den Aufbau des wissenschaftlichen Nachwuchses zwischen Umweltministerium und uns vereinbart.
FTD Das Kabinett ist sich in dieser Frage aber doch uneinig?
Schavan Erstens: Der Ausstiegsbeschluss sagt, dass noch 20 Jahre Kernkraftwerke im Betrieb sein sollen. Wir brauchen also Fachleute und Sicherheit für 20 Jahre. Deswegen finde ich es aberwitzig, dass in den letzten Jahren Kompetenz verloren gegangen ist.
Zweitens: Ich sage, dass die Atomenergie im Kontext mit anderen eine Rolle spielen wird. Es kann nicht sein, dass wir als drittgrößte Industrienation in einigen Jahren keine Fachleute mehr haben, die bewerten können, was weltweit in dieser Technologie geschieht.
Drittens: Weltweit sind wir führend in der Fusionsforschung, die möglicherweise in 30 oder 40 Jahren einen wichtigen Baustein darstellen wird. Man kann ja Entscheidungen wie den Ausstiegsbeschluss treffen, aber ich kann unmöglich damit Schluss machen, beteiligt zu sein an technologischer Entwicklung. Das halte ich schlicht für nicht akzeptabel. Ich werde auch weiter Vorschläge machen, wie wir Kompetenzen erhalten können.
FTD Können Sie das allein?
Schavan Ich bemühe mich um Konsens. Aber klar muss auch sein, dass Forschungspolitik hier agieren können muss.
FTD Wie klappt die Arbeit mit Umweltminister Sigmar Gabriel?
Schavan Es gibt Dinge, da kommen wir gut zusammen - das Programm für Reaktorsicherheit zum Beispiel. Natürlich steht Atomenergie nicht im Zentrum der Energieforschung. Ebenso bedeutsam sind etwa Wege zu mehr Energieeffizienz.