Heribert Schwan, Journalist und Buchautor
Die Söhne werfen Ihnen vor, Hannelore Kohls Vertrauen missbraucht zu haben.
Schwan: Ich habe keinen Vertrauensbruch begangen. Hannelore hat mir ihr Leben in stundenlangen Gesprächen hingeblättert. Und sie wusste, dass ich kein Arzt bin, der der Schweigepflicht unterliegt. Ich hatte einen wissenschaftlichen und journalistischen Zugang zu ihr. Es war klar, dass ein Journalist publiziert. Die Söhne wollten mich später auch von meinem Buchprojekt abbringen. Das habe ich natürlich abgelehnt.
Die Söhne prangern auch an, dass Sie in ihrem Buch darüber schreiben, dass Hannelore Kohl als Zwölfjährige mehrfach von russischen Soldaten vergewaltigt wurde.
Schwan: Das hat sie mir und auch anderen Zeugen gesagt. Ich schreibe darüber, weil es das zentrale Trauma ihres Lebens ist. Es erklärt viele ihrer psychischen und physischen Probleme.
Sie melden auch starke Zweifel an, dass ihre Lichtallergie durch einen Fehler des damaligen Hausarztes verursacht wurde.
Schwan: Ja. Die Einnahme des Penizillins, auf das Hannelore höchst allergisch reagierte, war vermutlich der erste Selbstmordversuch. Das war 1993. Um den Suizidversuch zu vertuschen, wurde die Schuld auf den Hausarzt geschoben, der bis heute sehr darunter leidet.
2001 hat sie sich dann umgebracht. Was waren die Gründe?
Schwan: Da gibt es mehrere. Sie hatte eine schwere Depression, die sie hinter der Lichtallergie versteckt hat. Dann hat sie enorm unter der Spendenaffäre gelitten, die Helmut Kohl der CDU und seiner Familie eingebrockt hat. Hannelore war fassungslos, dass ihr Haus durchsucht und die Bilanzen ihrer ZNS-Stiftung überprüft werden sollten. Sie war sehr einsam, weil ihr Mann andauernd in Berlin war, um sich in der Spendenaffäre zu verteidigen.
Nach Hannelores Tod hat Helmut Kohl nicht nur getrauert, er hatte auch ein schlechtes Gewissen?