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Merken   Drucken   01.07.2002, 07:29 Schriftgröße: AAA

Joschka Fischer - der Leitwolf  

Für seine Feinde ist er ein Opportunist mit dem Zug zur Macht, für andere einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Seine Partei hat den heimlichen Star zum Spitzenkandidaten erkoren, der die Grünen vor dem Absturz bewahren soll. von Kai Beller, Hamburg
Lange Jahre haben sich die Grünen schwer getan mit ihrem Vorzeigepolitiker, der die Basis mit seinen Ideen und Vorschlägen immer wieder zum Widerspruch herausgefordert hat. Über eine Mehrheit verfügte Fischer dabei selten in seiner Partei. Der Realo galt vielen in der Partei als zu weit rechts, einer der eher polarisierte als zusammenzuführen. Trotzdem hat er sich durchgesetzt: Die Grünen sind Regierungspartei und Fischer ihr Außenminister.
Auf dem Weg dorthin hat der 1948 geborene Fischer viele Wandlungen durchgemacht. Angefangen hat er seine politische Laufbahn als linker Student in Frankfurt am Main, wo er zwar Vorlesungen besuchte, jedoch nie einen Studienabschluss machte. 1968 war Fischer als Mitglied der militanten Gruppe "Revolutionärer Kampf" an Demonstrationen und Straßenschlachten beteiligt, die ihm eine dreitägige Haft in Stuttgart-Stammheim einbrachten. Seine Vergangenheit als linksradikaler Student sollte ihn bis ins Außenministerium verfolgen. Als im vergangenen Jahr Fotos auftauchten, die Fischer in einer Gruppe zeigten, die auf einen Polizisten einprügelt, begann eine breite Debatte über die Vergangenheit des Außenministers. Seinem Ansehen hat das nicht geschadet. Fischer entschuldigte sich bei dem Polizisten und distanzierte sich von seiner militanten Vergangenheit.
Anfang der 70er Jahre arbeitet Fischer kurze Zeit bei Opel in Rüsselsheim und gründete eine Betriebsgruppe, um die Beschäftigten zu politisieren. Bereits nach einem halben Jahr wird er fristlos entlassen. Die Abkehr von seinen radikalen politischen Ansichten folgt nach Fischers eigener Aussage nach der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer durch Terroristen der Rote Armee Fraktion. Fischer selbst spricht von einem Illusionsverlust. Zeitweilig arbeitet Fischer in dieser Zeit als Taxifahrer in Frankfurt.

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