Die 130.000 niedergelassenen Ärzte machen ihre Drohung war: 90.000 Praxen sollen voraussichtlich Ende September für einen begrenzten Zeitraum geschlossen werden. Mit Schließungen und Warnstreiks wollen die Mediziner gegen das Ergebnis der Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen protestieren. Eine Urabstimmung ergab eine mehrheitliche Zustimmung zu den Protestmaßnahmen. "Es ist ein ganz eindeutiges Votum", sagte ein Verbandsvertreter am Donnerstag.
Die Proteste der Ärzte richten sich gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Nach Meinung der Mediziner reichen die geplanten Honorarerhöhungen für das kommende Jahr nicht aus, um die gestiegenen Kosten zu decken. Deshalb hatten sie eine Erhöhung der Honorare von elf Prozent, insgesamt 3,5 Mrd. Euro mehr Vergütung, von den Kassen gefordert. Die Kassen wollten die Vergütung für die Ärzte für das kommende Jahr aber um 2,2 Mrd. Euro senken. Sie sind der Meinung, die niedergelassenen Ärzte seien überbezahlt.
Kassenvertreter verständigten sich mit den unparteiischen Mitgliedern eines Schlichtunsgremiums schließlich auf zusätzliche 270 Mio. Euro für 2013 – und überstimmten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Die klagt derzeit gegen den Beschluss. An diesem Samstag verhandelt das entscheidende Gremium erneut. Es sollen eventuell mehrere hundert Millionen Euro für die Anrechnung steigender Krankheitslasten in der Bevölkerung zu den Honorarerhöhungen hinzukommen.
Noch vor dieser nächsten Verhandlungsrunde gab die Mehrheit der Ärzte ihre Zustimmung für eine Großstreikaktion. Getragen werden die Proteste vor allem von Fachärzten, die den Kassen außerdem zu vorwerfen, zu bürokratisch zu handeln. Hausärzte stehen den Protesten zurückhaltender gegenüber: Viele sind durch Hausarztverträge mit den Kassen gebunden. Dennoch haben auch sie sich an der Ärztebefragung beteiligt und für die Streiks gestimmt.
Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung forderte die Mediziner auf, Schwerstkranke von Protesten auszunehmen. Sterbende und schwerstpflegebedürftige Patienten bräuchten weiterhin eine optimale Schmerztherapie und die Behandlung ihrer Symptome.
Allgemeinmediziner verdienen nach den jüngsten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes unter den Ärzten am geringsten. Sie verdienten 2007 im Durschnitt 116.000 Euro brutto – aus Einnahmen der gesetzlichen und privaten Kassen minus der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben.
Am anderen Ende der Medizinerverdienstleiter stehen Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230.000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224 000 Euro.
Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199.000 und 9000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65.000 Euro Umsatz, Augenärzte 60.000, Chirurgen 57.000, Orthopäden 56.000, Hausärzte 52.000 und Gynäkologen 47.000 Euro.
Laut KBV beträgt das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte von gesetzlichen und privaten Kassen beträgt im Schnitt insgesamt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach rund 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.
Für Apotheker hingegen könnte 2013 nach einem Zeitungsbericht einen Durchbruch beim Honorar bringen. Nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein Veto gegen das Vorhaben von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und Gesundheitsminister Daniel Bahr (beide FDP) aufgehoben. "Nach gründlicher Prüfung ist entschieden worden, dass wir die Erhöhung mittragen können", sagte ein Sprecher Schäubles der Zeitung. Damit ist der Weg frei für eine Anhebung um 190 Mio. Euro.
Konkret soll das Honorar der Apotheker, das sie bei der Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikaments erhalten, von 8,10 Euro pro Packung auf 8,35 Euro steigen. Bezahlen müssen das die --Krankenkassen--. Schäuble hatte den Gesetzentwurf zunächst blockiert, weil er Mehrbelastungen für den Bundeshaushalt befürchtete.
Mit DPA, Reuters