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Merken   Drucken   01.12.2011, 19:25 Schriftgröße: AAA

Kampf um Gerechtigkeit: Konservative Frauen proben den Aufstand

Frauenrechte sind längst nicht mehr nur etwas für Emanzen in lila Latzhosen. Auch bei weiblichen Unionsmitgliedern sind Themen wie Quote und Lohngleichheit angekommen. Ausgerechnet beim politischen Gegner suchen die Unionsrebellinnen nun Verbündete. von Claudia Kade  und Frauke Ladleif
Es gibt nicht viele Fälle, bei denen sich Abgeordnete aller Parteien zusammenschließen. Meist muss es dann um mehr gehen als reine Parteitaktirerei. Beim Embryonengesetz war das so, bei der Neuregelung der Organspende oder zuletzt bei einer Erklärung gegen den Naziterror. Nun scheint sich wieder etwas zusammenzubrauen. Die Frauen in den Fraktionen sind unzufrieden.
Der weibliche Anteil in den DAX -Vorständen ist immer noch verschwindend gering, von gleichen Löhnen für gleiche Arbeit zwischen Mann und Frau kann keine Rede sein und die Spitzenpositionen in wichtigen staatlichen Behörden wie Bafin, Bundesbank und Co teilen sich nach wie vor Männer. Das soll sich ändern. Weil sie anscheinend bei ihren männlichen Kollegen auf taube Ohren stoßen, verbünden sich nun Frauen aus allen im Bundestag vertretenen Parteien - besonders für die Frauen aus der konservativen Unionsfraktion ein mutiger Schritt. Am Mittwochabend traten die Drahtzieherinnen von CSU bis Linke erstmals gemeinsam vor die Öffentlichkeit - zumindest vor die weibliche. Männer mussten draußen bleiben.
Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ingrid Fischbach   Die CDU-Bundestagsabgeordnete Ingrid Fischbach
Eigentlich sollte über die Krise gesprochen werden, und welche Chance sie zur Veränderung bietet. Doch in ihrem Anfangsplädoyer machte die Mitinitiatorin der CDU, Ingrid Fischbach, gleich klar: Sie erhoffe sich, mit drei bis vier Punkten aus der Diskussion zu gehen, die man auch ins Parlament bringen könne. "Es gibt viele Dinge, die wir nicht durch die Parteibrille sehen dürfen", sagte sie. Gastrednerin Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen hielt eine flammende Rede zur Frauenquote. Gleich 1000 Frauen wisse sie, die für Vorstandposten bereitstünden. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung, rief dazu auf, gleich den gesamten Arbeitsmarkt von Grund auf neu zu strukturieren.
Für die Frauen in der Unions-Fraktion Balsam auf die geschundene Seele: Seit Monaten ringt die Vorsitzende der Frauengruppe, Rita Pawelski, hinter den Kulissen mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder um die Quote. Doch Kauder wiegelt bislang ab: In Zeiten von Energiewende, Euro -Krise und Mindestlohn hat der Fraktionschef alle Hände voll damit zu tun, seine Abgeordneten insgesamt zusammenzuhalten und eine Spaltung zwischen Wirtschafts- und Sozialflügel zu verhindern. Einen offenen Streit über die Frauenquote kann er dazwischen nicht gebrauchen, so hat er es auch den Frauen erklärt. Doch die bleiben hartnäckig - aus der Euro-Krise haben sie für sich gelernt: Die Kräfte sammeln, auch über die Parteigrenzen hinweg - und die geballte Frauenpower dann mit einer medienwirksamen Offensive noch verstärken. Hebeln heißt das in der Euro-Krisen-Sprache.
Das wollen sie nun also mit Oppositionsfrauen wie Ekin Deligöz von den Grünen und der Sozialdemokratin Dagmar Ziegler machen. Die wittern ihre Chance. Selten haben sich Unionsfrauen so stark gegenüber ihren Parteioberen widersetzt. Die Diskussion am Mittwoch sollte daher nur der Anfang sein. Am 15. Dezember wollen sie gemeinsam eine sogenannte "Berliner Erklärung" herausgeben. Frauen aus allen Bereichen sollen unterzeichnen. "Wir wollen ein gesellschaftliches Bündnis eingehen, durch die Masse einen gesellschaftlichen Wandel erreichen", sagt Deligöz.

Teil 2: Bisher haben sie nichts erreicht

  • FTD.de, 01.12.2011
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