Das ist das Ergebnis der internen Vorabstimmung sowohl der Unions- als auch der SPD-geführten Länder. "Es ist Aufgabe jedes einzelnen Landes, die eigene Unterrichtsversorgung zu sichern", sagte die Koordinatorin der Unions-Länder, Annegret Kramp-Karrenbauer, der FTD. Länder dürften nicht in anderen Ländern wildern, um eigene Lücken auszugleichen, sagte die saarländische Kultusministerin. Auch der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) befürwortet entsprechende "Fair-Play-Regeln".
Die Verständigung der Länder ist eine Reaktion auf den zunehmenden bundesweiten Konkurrenzkampf um junge Lehrer. Im Februar hatte Baden-Württemberg eine bundesweite Abwerbekampagne begonnen, weil das Land für das neue Schuljahr mehr Lehrer einstellt, als es selbst ausbildet. Berlin hatte mit einer deutlichen Gehaltserhöhung für Junglehrer reagiert, um die Abwanderung zu stoppen. Besonders die armen Länder fürchten, dass die reichen ihre Lehrer mit lukrativen Angeboten weglocken. Durch die anstehende Pensionierungswelle werden bundesweit die Lehrer knapp, besonders in Fächern wie Mathematik und in den Naturwissenschaften.
Eine gerechte Verteilung der Ausbildungslasten zwischen den Ländern soll nun der Kern der angestrebten Lösung werden. Bislang bilden einige Länder unter- und andere oberhalb ihres eigenen Bedarfs aus. "Wir haben einen bundesweiten Arbeitsmarkt, und wir wollen die Freizügigkeit nicht einschränken", sagte Kramp-Karrenbauer. "Aber kein Land kann sich auf Kosten der anderen zurücklehnen." Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Henry Tesch (CDU), kündigte eine entsprechende "Stralsunder Erklärung" an. "Wir müssen dort den Einstieg in länderübergreifende Lösungen finden", sagte er der FTD.
Als ersten Schritt wollen die Minister bundesweit den zukünftigen Bedarf an Lehrern je nach Unterrichtsfach ermitteln und mit den Ausbildungskapazitäten jedes einzelnen Landes abgleichen. Denkbar ist, dass sich Länder mit Defiziten in einem zweiten Schritt zu einer Aufstockung verpflichten. Alternativ könnten sie Ausgleichszahlungen an Länder mit Ausbildungsüberschuss leisten. Zudem wollen die Länder auf die gezielte Abwerbung von Lehrern aus bestehenden Dienstverträgen verzichten.
Auf eine einheitliche Lehrerbezahlung konnten sich die Kultusminister dagegen nicht einigen. Der Berliner Bildungssenator Zöllner hatte sich für einen "einheitlichen Rahmen" ausgesprochen. KMK-Präsident Tesch kündigte an, zumindest "einen Balken einzuziehen, unter dem wir so qualifizierte Leute nicht bezahlen". Über eine bundesweite Gehaltsobergrenze gibt es keinen Konsens.
Der Auslöser der aktuellen Debatte, der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU), will seine Abwerbekampagne wie geplant weiterführen. "Ich habe schon vor, die 5500 Plätze offensiv anzubieten", sagte er der FTD. Weil Baden-Württemberg mit zusätzlichen Lehrkräften nach den Sommerferien die Klassengrößen senken will, sei das Land auf auswärtige Bewerber angewiesen. "Ich kann die zusätzlichen Stellen doch nicht ablehnen", sagte Rau.