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Merken   Drucken   28.02.2006, 23:26 Schriftgröße: AAA

Katze mit H5N1-Virus infiziert  

Der Vogelgrippe-Virus hat in Deutschland erstmals ein Säugetier befallen: Der Erreger wurde bei einer toten Katze auf Rügen gefunden. Behörden raten Katzenbesitzern, ihre Tiere in Risikogebieten zu Hause zu lassen.
Mit allen Mitteln soll ein weiteres Ausbreiten der Vogelgrippe ...   Mit allen Mitteln soll ein weiteres Ausbreiten der Vogelgrippe verhindert werden
Ob es sich dabei um die aggressive Variante handele, an der bereits Menschen erkrankt sind, wird noch untersucht. Die Katze wurde in der Nähe der Wittower Fähre auf Rügen gefunden. Dies teilte das Institut für Tiergesundheit auf der Insel Riems am Dienstag mit. Auf Rügen waren auch die meisten der mehr als 100 infizierten Wildvögel aufgelesen worden.
Es sei seit längerem aus Asien bekannt, dass Katzen sich mit dem Virus anstecken könnten, wenn sie infizierte Vögel fräßen, sagte Instituts-Leiter Thomas Mettenleiter. Sein Institut rate Katzenbesitzern, ihre Tiere besonders im Bereich des Zentrums der Infektionen um die Wittower Fähre nicht frei laufen zu lassen. Er verwies darauf, dass sich in den vergangenen Jahren in Asien mehrere Großkatzen angesteckt hätten, die in Zoos mit H5N1-infiziertem Geflügel gefüttert worden waren. "Eine Ansteckung von Menschen durch infizierte Katzen wurde aber bisher noch nicht nachgewiesen", sagte Mettenleiter.
Infizierung von Menschen möglich
Dies könne nur bei einem sehr innigen Kontakt eines Menschen zu einem infizierten Tier stattfinden. Bei Anzeichen schwerer Erkältungen bei Katzen, die Freilauf in Gebieten mit H5N1 bei Wildvögeln hatten, sollte der Tierarzt aufgesucht werden, riet er. Eine Instituts-Sprecherin sagte, es sei bekannt gewesen, dass auch Hauskatzen für das Virus empfänglich seien. Infektionen seien bisher aber in sehr seltenen Fällen aufgetreten. Es werde nun versucht festzustellen, wie sich die Katze infiziert haben könnte. Katzen seien gewöhnlich keine Aasfresser und hätten es daher nicht auf tote Vögel abgesehen.
Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern veranlasste, dass alle in den Schutz- und Überwachungszonen tot aufgefunden Katzen, Füchse, Marder und andere Kleinsäuger, die mit infizierten Vögeln in Kontakt gekommen sein können, geborgen und untersucht werden. Die infizierte Katze sei im Zuge der Such- und Bergungsaktionen verendeter Vögel auf der Ostseeinsel aufgefunden worden. Eine weitere verendete Katze und ein Fuchs seien negativ getestet worden. Hundehalter sollten ihre Tiere in den Schutzzonen an die Leine nehmen, empfahl die Landesregierung.
"Katzen sollten in und um Schutzzonen zu Hause gelassen werden, soweit das möglich ist", sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Hinrichs am Dienstag in Berlin. Enger Kontakt solle vermieden werden. Schutzzonen gibt es in mehreren Bundesländern. "Zurzeit gibt es keine neue Risikoeinschätzung." Das Ministerium warnte vor Panik.
Der Nationale Krisenstab von Bund und Ländern berät am Mittwoch, ob weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Vogelgrippe nötig sind. Die Risikoeinschätzung ändere sich aber vorerst nicht, sagte eine Sprecherin von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin.
Virus erreicht Bayern
Am Dienstag erreichte der Virus nach Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erstmals auch Bayern. Das bayerische Landesumweltministerium bestätigte am Dienstagvormittag, dass die Vogelgrippe in Bayern aufgetreten sei. Das Friedrich-Loeffler-Institut habe die Landesregierung darüber informiert, hieß es. Mit dem auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus seien ein Schwan und eine Ente infiziert, teilte eine Sprecherin des Instituts in Riems mit. Es müsse nun noch geklärt werden, ob es sich bei dem Erreger um die hochansteckende Asia-Variante handele.
Das Bundesagrarministerium erwägt, die zum Schutz vor der Vogelgrippe erlassene Stallpflicht für Nutzgeflügel über April hinaus zu verlängern. "Sollte die Vogelgrippe Ende April noch im Land sein, werden die Maßnahmen verlängert", sagte eine Ministeriumssprecherin. Zunächst müsse jedoch eine für Mitte April geplante Risikoanalyse abgewartet werden.
  • FTD.de, 28.02.2006
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