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  FTD-Serie: Deutschland hat gewählt

Inmitten der schwersten Krise seit Jahrzehnten haben die Bürger über eine neue Bundesregierung entschieden. Mit welchem Personal wird Schwarz-Gelb künftig regieren und wie sortiert sich die Opposition? FTD.de berichtet rund um die Bundestagswahl 2009.

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  28.09.2009, 15:55    

Kernkraft: Atomfreunde freuen sich zu früh

Kommentar Schwarz-gelbe Hochstimmung bei den Aktionären: Doch der Jubel der Atomwirtschaft kommt zu schnell. Die neue Regierung muss die Laufzeitverlängerung klug angehen - sonst liefert sie der Opposition eine Vorlage für eine breite Widerstandsfront.

von Friederike von Tiesenhausen 
Die Aktien der Energiekonzerne RWE  und EON  steigen am Tag nach der Wahl um rund vier Prozent. Der Grund: Die Anleger freuen sich auf die von Schwarz-Gelb geforderte Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Dabei, so rechnen es Analysten vor, hätte diese sogar ein Kurspotenzial von etwa 10 Prozent.
Es gibt jedoch gute Gründe, die Laufzeitverlängerung noch nicht auf der Haben-Seite zu verbuchen. Unter der Hand gestehen das selbst die Vertreter der Energiewirtschaft ein. Der Atomkonsens im Jahr 2000 hat einen großen gesellschaftlichen Konflikt in Deutschland befriedet. Um diesen wieder aufzuschnüren, bedarf es einer breiten Mehrheit. Sonst gibt es Demonstrationen und Störaktionen. Die überraschend gut besuchte Anti-Atom-Demonstration in Berlin Anfang September hat einen Vorgeschmack auf die Sprengkraft der Thematik geboten.
Pannenreaktor Krümmel: Die Mehrheit der Bevölkerung ist laut ...   Pannenreaktor Krümmel: Die Mehrheit der Bevölkerung ist laut einer Umfrage für die Abschaltung älterer Meiler
Die neue Opposition im Bundestag hat noch nicht viele gemeinsame Projekte - aber beim Widerstand gegen die Atomkraft dürfte es Steinmeier, Lafontaine und Grünen sehr leicht fallen, gemeinsam Krawall zu machen.
Um diesem entgegenzuwirken, muss Schwarz-Gelb die Laufzeitverlängerung klug einfädeln. Der durchschnittliche Bürger wird davon voraussichtlich nichts haben. Die Strompreise werden schließlich an der Strombörse gemacht und richten sich nicht nach den Laufkosten sogenannter Grundlastkraftwerke, wie es Atommeiler sind.
Der Klimaschutz könnte tatsächlich ein starkes Argument sein, warum die Kernkraftwerke länger am Netz bleiben sollen. Eine entsprechende Regelung müsste dabei mindestens zwei zentrale Bedingungen erfüllen. Zum einen braucht es eine klare Zielmarke, wann die Kernkraft ihre Funktion als Brückentechnologie erfüllt haben soll. Sonst stocken auch auf Jahre hinaus die Investitionen in erneuerbare Energien.
Zweitens müssten mit einer Laufzeitverlängerung konsequenterweise auch die deutschen Zielvorgaben im Emissionshandel angepasst werden. Sonst bringt der Weiterbetrieb von CO2-armen Kernkraftwerken für die Atomsphäre gar nichts. Stattdessen würden die klimaschädlichen Emissionen einfach nur auf andere Bereiche verlagert. Das wäre eine umweltpolitische Mogelpackung.
  • FTD.de, 28.09.2009
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