Die Ansage war klar: "Die junge Generation wird sich in dieser Legislaturperiode deutlich zu Wort melden", sagte Kerstin Griese zu Beginn der zweiten Amtszeit von Rot-Grün. Jetzt, nur wenige Wochen später, hat die 35-Jährige Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen.
Im Rentenstreit ist sie eine derjenigen, die sich gegen eine einseitige Belastung der Jungen wenden. "Ich bin der Ansicht, dass die Erhöhung des Rentenbeitragssatzes nicht gerade ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit ist", sagt Griese.
Wenn ihre politische Karriere ein Leitmotiv hat, dann ist es der Einsatz für die Belange junger Menschen inner- und außerhalb der Partei. 1986 tritt die damalige Studentin der Geschichts- und Politikwissenschaften in die SPD ein. Von 1989 bis 1993 ist Griese Mitglied im Juso-Bundesvorstand. Zwei Jahre später rückt sie in den SPD-Parteivorstand auf, von 1996 bis 1999 ist sie hier Vorsitzende der Kommission Jugend.
Nachdem sie im Jahr 2000 den Sprung in den Bundestag geschafft hat, wird Griese zum Sprachrohr der Jüngeren in der SPD. Ein Jahr später wird sie Sprecherin der Abgeordneten unter 40 - in der Fraktion "Youngster" genannt. Sie übernimmt die Leitung der Projektgruppe "Netzwerk 2010", die Ideen für die Zukunft der Partei einwickelt. Sie tritt auch dem "Netzwerk Berlin" bei, einer Initiative junger Parlamentarier. Seit wenigen Wochen ist Griese Vorsitzende des Ausschusses für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.
Geprägt wurde Griese von der kirchlichen Jugendarbeit. Seit 1997 ist sie stellvertretendes Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Temperamentvoll ist sie. Ihr Mundwerk ist flott, was sie sagt, präzise. Griese ist keine Hinterbänklerin, die sich im Rentenkonflikt krampfhaft profilieren müsste. Im inneren Zirkel der Partei ist sie längst bekannt. Rot-Grün hat nur eine knappe Mehrheit im Bundestag. Schon deshalb, sagt die junge Frau selbstbewusst, könnten die anstehenden Reformen nur mit starker Unterstützung in der Fraktion verwirklicht werden.
Bei der Abstimmung im Parlament am Freitag will sie der geplanten Erhöhung der Rentenbeiträge zustimmen. Es gehe derzeit nicht anders, sagt sie. Gleichzeitig fordert Griese, "dass es eine Diskussion darüber geben muss, wie es mit den Sozialversicherungssystemen weitergehen soll." Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des "Netzwerks Berlin" hat sie einen Entwurf erarbeitet, der Forderungen der Jüngeren nach Reformen festhält.
Griese wird also noch reichlich Gelegenheit haben, für die Jungen zu sprechen.