Auch Achim Schröter vom bundesweit zuständigen Verband für die kommunale Stadtreinigung hält die Kritik für unfair. Die Städte seien gesetzlich nur verpflichtet, die wichtigsten und gefährlichsten Straßen zu streuen. Und auch für die reichten zwei bis drei Umläufe pro Tag. Bundesautobahnen müssten dagegen rund um die Uhr fahrbereit sein.
Schröter schob die Schuld stattdessen den Herstellern des Streusalzes zu: "Die Hersteller sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst. Sie handeln unseriös." Die Produzenten schlössen Verträge ab, von denen sie genau wüssten, dass sie diese nicht einhalten könnten. "Beliefert werden dann nur noch die Kommunen mit den schärfsten Strafzahlungen in ihren Verträgen." Und die Salzhersteller verkauften ihre Restbestände dann noch an andere Städte für 200 Euro pro Tonne statt der üblichen 70 Euro.
In ihrer Not orderten die Gemeinden dann nicht mehr bei den vier deutschen Herstellern, sondern zum Beispiel in Südamerika, Kroatien oder der Ukraine, sagte Schröter. "Dort ist aber häufig die Qualität schlechter, sodass unsere hochmoderne Technik nicht mehr richtig funktioniert." Die Bürger dürften "nicht sofort schwarze Straßen erwarten".