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  08.11.2009, 11:41    

Koalitionsstreit: CDU drückt sich vor Entscheidung über Steuerentlastung

Die FDP möchte sie, die CSU auch - nur die Christdemokraten nicht. Damit der Knatsch um Steuersenkungen nicht den schwarz-gelben Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen stört, will Kanzlerin Merkel erst einmal eine Kommission beraten lassen. Entschieden wird erst nach der Abstimmung in NRW.

Die CDU ist offenkundig entschlossen, die zentralen Auseinandersetzungen mit der FDP über eine große Steuerreform erst nach der Landtagswahl am 9. Mai 2010 in Nordrhein-Westfalen zu führen. Angesichts des aktuellen Bund-Länder-Streits schon über die schwierige Finanzierung der 8,4 Mrd. Euro umfassenden Entlastung des kleinen Steuerpakets 2010 verschärfte die FDP den Ton und erinnerte an die Koalitionsvereinbarung. Ihr Ehrenvorsitzender Hans-Dietrich Genscher lenkte dagegen ein und mahnte vor endgültigen Entscheidungen über eine große Steuerreform einen Kassensturz an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach einem "Spiegel"-Bericht die CDU-Regierungschefs inzwischen überzeugt, erst nach der NRW-Wahl die Beratungen über eine große Steuerreform in einer von Schwarz-Gelb vereinbarten Kommission aufzunehmen. Üblicherweise liegt für Bund, Länder und Gemeinden dann erst die nächste Steuerschätzung vor, die Auskunft über die Haushaltslage und Defizite gibt. In der sogenannten Kaminrunde sei Merkel am vergangenen Donnerstag bei den CDU-Länderchefs auf breite Unterstützung gestoßen.
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), bestätigte, die Arbeit der im Koalitionsvertrag von Union und FDP vereinbarten Kommission werde direkt nach der Steuerschätzung im Mai beginnen. Die Reform, die frühestens 2011 kommen soll, könne äußerstenfalls noch gut 19 Mrd. Euro Entlastung bringen, sagte er der "B.Z. am Sonntag". Dies sei die "absolute Obergrenze".
Westerwelle hält dagegen
Von den häufig genannten 24 Mrd. Euro seien 4,6 Mrd. abzuziehen, mit denen die Familien mit Kindern bereits von 2010 an entlastet würden, sagte Kauder. Dies sei Teil des kleinen Steuerpakets von 8,4 Mrd. Euro für Eltern, Unternehmen, Erben und Hoteliers, das das Bundeskabinett an diesem Montag beschließen will und das Anfang Januar wirksam werden soll.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte dieses Gesetz "eine wichtige Weichenstellung für mehr Wachstum und Beschäftigung". Hinzu kommen noch rund 14 Mird. Euro Steuerentlastungen aus Gesetzen der alten Unions-SPD-Koalition.
FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle  ließ sich von Finanzierungsbedenken der Länder nicht beeindrucken. "Gerade weil die Kassen leer sind, brauchen wir ja faire Steuern, damit der Wirtschaftsmotor wieder anspringt und damit so unterm Strich auch mehr Geld in die Staatskassen kommt, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Der (steuerliche) Stufentarif wird kommen", sagte auch FDP-Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt". "Möglichst 2011, spätestens bis Ende dieser Wahlperiode. Der Stufentarif steht im Koalitionsvertrag, und die FDP erwartet Vertragstreue", griff er die Union an.
Genscher bremst
Genscher trat dagegen auf die Bremse: Zunächst müsse der "verantwortungsbewusste" Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach den "verborgenen Risiken" im Haushalt schauen, sagte der ehemalige Parteivorsitzende im Gespräch mit dem Radiosender HR-Info. "Ich bin der Meinung, dass wir ein Gleichgewicht schaffen müssen, zwischen den vorgeschlagenen Entlastungen, und dem was möglich ist." Die von der FDP aufgezeigten "weitergehenden Perspektiven" für Steuersenkungen könnten auch erst in einer zweiten schwarz-gelben Regierungsperiode umgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch der Wählerwille im Herbst 2013 für eine Legislatur bis 2017.
Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich  (CDU) sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise kaum Spielraum für Steuersenkungen. "Eine Krise kann man nicht dadurch bewältigen, dass man heute Steuererleichterungen durchführt, die auf Pump erfolgen", sagte er. Tillich erinnerte auch an die demografische Entwicklung: "In fünf Jahren müssen weniger Köpfe mehr leisten. Die müssen die tägliche Leistung für das Gemeinwesen erbringen und de facto noch Schulden abtragen."
  • dpa, 08.11.2009
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