FTD.de » Politik » Deutschland » Die Aufsichtsreform-Aktionisten entmachten die BaFin

Merken   Drucken   08.10.2009, 14:13 Schriftgröße: AAA

Koalitionsvereinbarung: Die Aufsichtsreform-Aktionisten entmachten die BaFin  

Kommentar CDU und FDP legen die Bankenaufsicht in die Hände der Bundesbank. Das belegt vor allem eines: Die Regierung will unter allen Umständen aktiv wirken. Dabei leuchtet nicht ein, was sich dadurch verbessern würde. Im Gegenteil. von Doris Grass  Frankfurt
Nun steht es also fest: Union und FDP wollen die Finanzaufsicht bei der Bundesbank ansiedeln und damit die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) entmachten. Sie hatte sich bislang die Zuständigkeit für die Aufsicht der Geldinstitute mit der Bundesbank geteilt. Details stehen zwar noch nicht fest. Es sind jedoch große Zweifel angebracht, ob dieser Schritt der Richtige ist.
Zum einen hat auch die Bundesbank, die ja schließlich die laufende Aufsicht über die Banken inne hat, die großen Probleme einiger Institute wie IKB oder Hypo Real Estate (HRE) nicht rechtzeitig erkannt. Es ist also unverständlich, warum allein der BaFin aufsichtsrechtliche Fehler im Zusammenhang mit der Finanzkrise angelastet werden.
Und warum sollte nur die Bundesbank es künftig besser machen können? Das könnte auch die BaFin, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen würden. Denn ihr waren, wie ihr Chef Jochen Sanio klar gemacht hat, beispielsweise im Falle HRE die Hände gebunden. Sie hatte keine rechtliche Handhabe, die Bank zu schließen. Die hätte auch die Bundesbank nach jetzigem Stand nicht.

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  • FTD.de, 08.10.2009
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Kommentare
  • 14.10.2009 15:02:39 Uhr   san(ch)io: Fortsetzung(2)

    (Fortsetzung, Teil 2)
    · Expertise in allen Bereichen: Laut Selbstdarstellung im Internet gehört zu
    den Aufgaben der Bundesbank „stabiles Geld, stabiles Finanz- und
    Währungssystem, stabiles Bankensystem, sicherer Zahlungsverkehr und
    sicheres Bargeld“. Nur das Personal der BaFin verfügt jedoch über die
    erforderlichen Kenntnisse der Solvenz- und Marktaufsicht über den gesamten
    Finanzsektor (Banken, Versicherungen und Wertpapierhandel).
    · Keine verfassungsrechtlichen Bedenken: Die geldpolitischen Aufgaben
    der Bundesbank könnten dort verbleiben. Die bisher schon ausgeübten
    Tätigkeiten der Bundesbank im Bereich der Bankenaufsicht könnten ohne
    verfassungsrechtliche Bedenken der BaFin zugeschlagen werden. Das hätte
    den Vorteil, dass keine komplizierten rechtlichen Konstrukte erforderlich
    wären, um die verfassungsmäßige Unabhängigkeit der Bundesbank
    sicherzustellen. Da die BaFin bereits einen Dienstsitz in Frankfurt hat, wären
    überdies keine Umzüge von Bundesbankbeschäftigten erforderlich.
    · Keine Interessenskonflikte bei der Versicherungsaufsicht: Die
    Versicherungsaufsicht hat funktioniert; bei den deutschen Versicherern gibt es
    keine Probleme, die denen des Bankensektors auch nur annähernd
    vergleichbar sind. Die Wahrnehmung der Aufsicht über
    Versicherungsunternehmen durch die Bundesbank wäre problematisch, da es
    hier zu Interessenkonflikten kommen kann. Schließlich sind die Versicherer
    wichtige Gläubiger der Banken. Auch hier wäre ein Festhalten an dem
    bisherigen Drei-Säulen-Prinzip und der Aufsicht durch die BaFin die sauberste
    Lösung.
    · Europäische Aufsicht: Auf europäischer Ebene ist gerade eine neue
    Finanzaufsicht beschlossen worden, die der bisherigen Struktur der BaFin
    entspricht. Es gibt drei eigenständige Säulen, die unabhängig voneinander
    geführt werden, aber miteinander kooperieren. Auch die europäische Aufsicht
    gibt also dem Drei-Säulen-Prinzip der BaFin den Vorzug vor „Twin-Peaks“, und
    hat den Plänen, die Bankenaufsicht durch eine Notenbank dominieren zu
    lassen, eine Absage erteilt.
    · Hoheitliche Tätigkeiten im BMF: Das von der Bundesbank vorgeschlagene
    Modell muss dazu führen, dass die Kolleginnen und Kollegen im BMF zukünftig
    weniger Zeit für ihre eigentlichen ministeriellen Aufgaben haben werden. Statt
    sich mit der propagierten Steuererleichterung zu befassen oder über die
    Finanzierung des neuen Kindergelds nachzudenken, werden sie sich mit
    Verwaltungsakten befassen müssen.
    Wie man hört, hat Herr Weber seinen Wohnsitz im schönen Rheinland. Vielleicht ist
    also alles viel banaler: Herr Weber möchte einfach gerne öfter mal in Bonn seinen
    Dienstgeschäften nachgehen. Das ist verständlich. Warum deswegen eine Behörde,
    die gute Arbeit leistet, in Aufruhr gesetzt wird, ist es allerdings nicht."
    Zitat Ende
    Mein Fazit, ein weiser Personalrat.
    Liebes Ferkel, Lieber Lästerwelle, davon könntet Ihr was lernen!

  • 14.10.2009 14:46:04 Uhr   San(ch)io: Das wäre die wahre Lösung gewesen
  • 12.10.2009 08:49:25 Uhr   Na_ich_halt: Wahre Worte
  • 08.10.2009 18:54:21 Uhr   Regine Metes: Komischer Handel
  • 08.10.2009 18:49:46 Uhr   Regine Metes: Komischer Handel
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    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

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