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Merken   Drucken   20.08.2009, 18:54 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Fricke - Exportjunkie, noch ein Schuss  

Deutschlands Hardliner kämpfen gegen den Verdacht, das Modell ewig hoher Exportüberschüsse sei gescheitert. Dabei hat der Egotrip die globale und die hiesige Krise befeuert - und könnte es bald wieder tun. von Thomas Fricke
Der Absturz ist gestoppt, die Konjunktur zieht an. Schon gibt es Anzeichen, dass weltweit auch wieder Waren "made in Germany" gefragt sind. Und schon tönen erste Experten, das sei der Beweis, dass Deutschlands Geschäftsmodell doch funktioniere. Als wäre (fast) nichts gewesen.
Das Fazit hat etwas grotesk Hastiges. Es hat ja niemand Ernstzunehmendes gesagt, dass die Deutschen nicht mehr exportieren sollen und der Rest der Welt nie mehr deutsche Produkte kauft. Es geht vielmehr um die dramatisch schiefe Bilanz aus viel Export und wenig Import. Und da drängt sich am Ende der Jahrhundertkrise zusehends der Verdacht auf, dass die Deutschen erstens zum globalen Crash beigetragen haben - und zweitens im Crash vor lauter Sparen zum Opfer der eigenen Tugendhaftigkeit wurden.
Wie sonst lässt sich erklären, dass die anfangs finanziell so solide aufgestellten Deutschen am Ende stärker unter die Räder kamen als andere? Wenn das kein Zufall war, droht der neue Aufschwung beim alten Exportweltmeister früher oder später in einer noch furchtbareren Krise zu enden.
Noch scheinen selbst dämlichste Argumente gut genug. Da poltert der Chef des irrtümlich als besonders weise geltenden Sachverständigenrats, es gebe gar kein steuerbares deutsches Geschäftsmodell, so was ergebe sich in den Firmen. Dabei haben Mainstream-Ökonomen wie Wolfgang Franz in den vergangenen Jahren stets gedrängt, (fast) jede wirtschaftspolitische Maßnahme auf niedrigere Kosten und höhere Exportfähigkeit zu trimmen - und inländische Konsumenten bei jeder Gelegenheit zu besteuern. Eher frech, dann zu sagen, die Folge - drastisch steigende Exporte bei depressiver Binnennachfrage - habe sich so ergeben.
Weniger schlämmerhaft wirkt die neuere Idee, die Deutschen müssten wegen kollektiver Alterung mehr für später vorsorgen - und daher erstens ganz viel (Export-)Geld verdienen und zweitens nicht so viel für Importe verplempern. Nur ist auch sie irgendwie schräg. Immerhin sind die Deutschen mit dem Altern nur etwas früher dran als andere. "Erst war es Japan, in ein paar Jahren folgen Amerikaner, Chinesen und Osteuropäer", sagt Andreas Rees, Chefökonom bei Unicredit. Da sehen Geburtenraten teils schlimmer aus als im Von-der-Leyen-Land.
Müssen die dann auch alle mehr verkaufen als ausgeben? Das könnte rein logisch eng werden. Schließlich können ja nicht alle auf der Welt Exportüberschüsse haben. Wobei das Altern ohnehin kein Grund ist, dass nicht jeder ein bisschen mehr Geld zum Konsumieren kriegen kann.
Rees errechnet in einer Simulation, dass der deutsche Leistungsbilanzüberschuss 2008 fast 40 Mrd. Euro niedriger gelegen hätte, wenn bei unveränderter Sparquote die Realeinkommen seit 2000 jährlich um 0,5 Prozentpunkte schneller gestiegen wären - weil dann automatisch mehr importiert würde. Bei einem Anstieg um jährlich 2,3 Prozent wie in Frankreich wäre Deutschlands Außenbilanz mit 0,8 Prozent des Inlandsprodukts sogar fast ausgeglichen.

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