FTD.de » Politik » Deutschland » Horst von Buttlar - Unsere verlorenen Kinder

Merken   Drucken   01.11.2009, 20:19 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Horst von Buttlar - Unsere verlorenen Kinder  

Das höhere Kindergeld ist eine nette Geste. Es setzt aber nicht an der Wurzel unserer Probleme an. Die lassen sich allein monetär nicht lösen - zeigen auch die Beispiele Marvin und Ali. von Horst von Buttlar 
Neulich in einer Grundschule in Hamburg: Der kleine Marvin springt mitten in der Stunde auf und will den Raum verlassen. "Wo willst du hin?", fragt die Lehrerin entgeistert. "Ich geh kacken", sagt Marvin.
Neulich in einer Grundschule in Wuppertal: Eine Klassenlehrerin, die vierte innerhalb eines Jahres und von ihren Schülern vorzugsweise mit "Eye" angeredet, muss mal wieder Streit schlichten: Ali hat in der Pause auf der Toilette einem Mitschüler auf die Hand gepinkelt, weil dieser ihn beschimpft hat. Ein anderer Junge hat einem Mädchen so fest zwischen die Beine getreten, dass sich dort ein Hämatom bildet. Es war nicht so schlimm wie die Hodenprellung eines Jungen vor einigen Wochen, ach ja, und übrigens: Treten tun alle gern und oft, Mädchen wie Jungen.

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  • Aus der FTD vom 02.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 30.11.2009 14:26:56 Uhr   rijukan: der wahre Grund der Kindergelderhöhung...

    ... sollte endlich einmal thematisiert werden: es ist die Anhebung der bislang viel zu geringen Kinderfreibeträge. Die etablierte Logik lautet: von Freibeträgen profitieren ja nur die "Reichen" - wer wenig Steuern zahlt, kann auch wenig sparen. Deshalb, so die "Logik", müsse man in Höhe des theoretischen Steuervorteils ein festes "Kindergeld" zahlen und der Steuervorteil darauf anrechnen.

    Nun ist die Steuerfreistellung des Existenzminimums von Kindern keine "familienpolitische Leistung", sondern Verfassungsgebot (so das Verfassungsgericht). Das Kindergeld ist somit in erheblichem Umfang - insgesamt ca. 2/3 - Rückerstattung von von Diebesgut. Also keine "familienpolitische Leistung", so wenig wie das ebenfalls verfassungsrechtlich gebotenen Ehegattensplitting.

    Der eigentliche Subventionsanteil des Kindergeldes ist umso größer, je weniger die Eltern verdienen. Auch die meisten anderen "familienpolitischen" Leistungen, etwa die Jugendhilfe, sind in Wahrheit weitgehend Sozialleistung an relativ gering verdienenden Eltern, zum großen Teil finanziert von Eltern der oberen Mittelschicht. Und die finanzieren zugleich mit gewaltigen Beträgen die soziale Absicherung ihrer kinderarmen Nachbarn, die von den Kindern anderer Leute profitieren, den gesparten Aufwand für deren Aufzucht (incl. Betreuungsaufwand) aber privat verwenden.

    Daß Familien vom Steuerrecht profitiert hätten, ist ein Märchen. Weiterhin immer zahlen sie, gemessen am Äquivalenzeinkommen pro Kopf, deutlich höhere Steuern als vergleichbare Singles. Außerdem treffen sie, wegen ihres höheren Konsumbedarfes, die indirekten Steuern weit stärker als Kinderlose, etwa die Umsatzsteuer. Deren letzte Anhebung hat alle scheinbaren Wohltaten, in Wahrheit kleine Almosen, bei der Einkommenssteuer weit überkompensiert.

  • 12.11.2009 23:26:13 Uhr   Michael: Schlecht recherchiert oder Lügner!
  • 09.11.2009 20:35:09 Uhr   Melanie Gatzke: wir haben nichts begriffen.
  • 05.11.2009 09:19:44 Uhr   fokus: NachklappMentalität mit ....
  • 03.11.2009 22:34:26 Uhr   fokus: Mentalität mit krimineller Energie
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